Südkurier, 23.9.2010

Kammermusik am Hochrhein

"[In Chopins Klaviertrio in g-Moll] wurde gekonnt eine Symbiose von Melodik, Melancholie, technischer Vehemenz und poetischer Virtuosität geboten. Das Trio legte auch besonderen Wert auf die Komplexität des Werkes und auf die Präzision der Aussagen. Chopin ging in diesem Trio ganz neue Wege der romantischen Kammermusik. Das Boulanger-Trio betonte dabei nicht nur die offenbare Formalität des Werkes, es ließ die Wirkung der romantischen Sensibilität dominieren; und somit bekam das Stück eine individuelle und eigenwillige Note, was sich besonders in den beiden letzten Sätzen erkennen ließ. Gerade im letzten Satz ließ die saubere Beachtung der Struktur viel Raum für emotionale Sensibilität.
„Das Unglück, das mich traf, als ich vom Tode Ivans erfuhr, kann ich nicht in Worte fassen.“ So reagierte Dimitri Schostakovitsch 1944 auf den Tod seines Freundes Ivan Sollertinski, der ihm sowohl persönlich als auch im Geiste nahestand. Aber Schostakovitsch konnte die Trauer in Musik fassen, in das „Klaviertrio Nr. 2 e-moll“. Es ist sowohl eine sehr subjektive und erschütternde Trauer, die Schostakovitsch in diese persönliche Leidenszeit in der Kriegszeit loslässt. Das Boulanger-Trio setzte diese Vorgaben phantastisch um. Zunächst die berührende Elegie des ersten Satzes mit seinem klopfenden Rhythmus der Verzweiflung. Im zweiten Satz erkannte Sollertinskis Schwester ein skurril gezeichnetes Portrait ihres Bruders. Das Trio spielte dieses Bild mit Energie. Das „Largo“ ist Trauer pur. Gekonnt wurden die Seufzer, das schmerzvolle Leid gesetzt. Das Stück endet mit einem Totentanz, einem „danse macabre“. Die Interpretation erzielte eine phänomenale groteske Wirkung. Der Schluss wurde dagegen sehr sanft als Frage gestaltet: ist hier ein friedliches Ende in Sicht?"
Reinhard Brosig



Leipziger Volkszeitung, 31.8.2010

Boulanger Trio mit gegenwärtiger Vergangenheit

"Fast zu vollkommen korrespondieren die romantischen und die zeitgenössischeren Werke, und fast zu vollkommen ist das Zusammenspiel des Boulanger Trios am Sonntagabend im Mendelssohn-Saal des Gewandhauses. [...] Schumanns drittes Klaviertrio, g-Moll, in seinem Reichtum an Stimmungen ist wie geschaffen für die Boulangers mit ihrem grandiosen Gespür für artikulatorische Feinheiten und ein edel-musikantisches Miteinander. Rihms erste "Fremde Szene" ist eine bewusste Auseinandersetzung mit dieser musikalischen Vergangenheit, setzt sich expressiv mit dem Gestus romantischer Kammermusik auseinander. Die drei Musikerinnen beherrschen Zwischentöne und Hintersinn, reizen Kontraste aus und bedienen die Sinnlichkeit von Rihms Klangsprache."
Tatjana Böhme-Mehner



Hamburger Abendblatt, 6.8.2010

Sommerliche Musiktage in Hitzacker

"Feins Programm fordert seine Hörer immer wieder heraus - und gleichzeitig bezaubert es und wärmt einem das Herz. Zum Bespiel bei einer nicht ganz homogenen, aber beseelten Interpretation des c-Moll-Klavierquartetts von Brahms durch das Boulanger Trio und Bratscher Nils Mönkemeyer: Da wurde das Labor plötzlich zum Schauplatz intimer Botschaften."
Marcus Stäbler



Elbe Jeetzel Zeitung, 6.8.2010

Rasanz der Schwermut

"Besonders das Klavierquartett c-Moll (op. 60) des Letztgenannten [Johannes Brahms] spielten das Trio Boulanger und der Bratscher Nils Mönkemeyer im nahezu ausverkauften Verdo in einer in ihrer Direktheit und Präzision fesselnden Interpretation. Den aufstörenden Wechsel zwischen Klavier und Streichern am Eingang des Kopfsatzes entwickelten Birgit Erz (Violine), Ilona Kindt (Violoncello) und Karla Haltenwanger (Klavier) mit dem Bratscher zu einem zerklüfteten Furioso, weite dynamische Bögen trieben die Musik in Eruptionen, in denen kleinmotivische Folgen wie Sternschnuppen aufglühten. Solche Passagen überführte das Quartett bruchlos in geisterhafte Träumereien, ohne den Wechseln an Kontraststärke zu nehmen. Es folgte ein leidenschaftliches, an die Grenze der Groteske drängendes Scherzo, ein Andante, das vom sanglichen Ton der Streicher geprägt war. Dessen Gestus blieb in den knappen lyrischen Melodiebögen und teils in den Klavierkaskaden des Allergro commodo-Finales präsent, während eine Grundströmung von Aufbruch dominierte, die der jähe Schluss resümierend auf den Punkt bringt."
T. Janssen



Kieler Nachrichten, 2.8. 2010

Nichts für Schlappohren

"An Interpretationen auf internationalem Spitzenniveau herrscht deshalb noch lange kein Mangel, nicht einmal im selben Konzert. Das Boulanger Trio mit Birgit Erz (Violine), Ilona Kindt (Violoncello) und Karla Haltenwanger (Klavier) lädt die 1905 vollendete Partitur von Ives' Klaviertrio derart mit Rhythmus- und Klangdichte, Schönem und Schrägem, Banalem und Kunstvollen auf, dass von den Zuhörern nur der krähende Hahn im Kirchhof nicht gebannt wird. Nichts für „Schlappohren“ fürwahr, wie Ives die gestrigen Vertreter ewiger Romantik-Schwelgerei titulierte."
Christian Strehk



MusikTexte, Februar 2010

Evolutionsschritte der neuen Musik

"Wenn man Rihm so spielen kann, braucht man Schumann nicht mehr", wollte man nach der wuchtig und virtuos musizierten Aufführung der neoromantisch-ekstatischen "Fremden Szenen 1-3" von Wolfgang Rihm mit dem Berliner Boulanger Trio rufen, das zuvor in mitreißender Weise auch Dieter Schnebels "B-Dur-Quintett" (mit Gästen) gespielt hatte und das Gefühl vermittelte, dass sich ein Evolutionsschritt in der Interpretationskunst der neuen Musik anbahne."
Matthias R. Entreß



Frankfurter Rundschau, 12. Februar 2010

Welten im Ungefähren

"...dann wurde [Schnebels] schubertisch getünchtes B-Dur-Quintett von den neoexpressionistisch gefügten drei "Fremden Szenen" von Rihm aus dem Saal gefegt - hinreißend existenziell gespielt vom Boulanger Trio."



Hamburger Abendblatt, 28. Januar 2010

Ehe zu dritt? So geht's in der Musik

"Was bedeutet es, gemeinsam Musik zu erarbeiten? In der Musikhochschule haben sich die Konzertagentin Sonia Simmenauer und das Boulanger Trio charmant und kenntnisreich über "Musik als Beziehungskunst" unterhalten. Vorweg spielten die drei atemberaubend intensiv den ersten Satz aus Schumanns Klaviertrio d-Moll und die "Fremde Szene III" von Wolfgang Rihm.
Zahlreich sind die Beziehungsaspekte im Ensemble. Wo und wann wird geprobt, wer bucht die Flüge? Delikater schon: Wie finden es die Familien, dass die jungen Frauen so viel Zeit und Energie woanders investieren? Und schließlich: Wer bestimmt Repertoire und Interpretation, und wie geht es dem, der überstimmt wurde?
Bei Boulangers offenbar kein Problem. "Wir sprechen die Dinge immer gleich an", sagte die Geigerin Birgit Erz. Man fragt sich, wie es wohl zugeht, wenn die Musiker einander nicht so zugetan sind. Vom Amadeus Quartett etwa erzählt man sich, die Herren seien grundsätzlich in getrennten Zugabteilen gereist."
Verena Fischer-Zernin



Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. Januar 2010

Ultraschall Festival Berlin

"Und den drei "Fremden Szenen" für Klaviertrio von Wolfgang Rihm, älter als ein Vierteljahrhundert, war eine unerhörte Wucht eigen, in der sich die Verteidigung des Pathos - nach 1945 besonders in Deutschland verpönt - fesselnd mitteilte, was auch der grandiosen Aufführung durch das Boulanger Trio zu danken war."
Jan Brachmann



klassikinfo.de, Januar 2010

55. Internationale Kammermusikwoche auf Schloss Elmau

"Eine wirkliche Entdeckung dieser hochkarätig besetzten Kammermusikwoche war auch das Berliner Boulanger Trio, benannt nach den beiden so wichtigen französischen Musikdamen Naja und Lili Boulanger. Obgleich erst 2006 gegründet, wirkt das Spiel der drei Damen so als spielten sie schon seit einer halben Ewigkeit zusammen, was wohl daran liegt, dass jede der Musikerinnen davor schon viel Kammermusikerfahrung gesammelt hat. Auffällig bei diesem Trio ist sein bei aller Klarheit der Stimmen dezidiert romantische Tonfall etwa in Schumanns erstem Klaviertrio (d-Moll, op. 63) oder auch in Schönbergs "Verklärter Nacht", die der Komponist und Schönberg-Schüler Eduard Steuermann zum Klaviertrio umgearbeitet hat. Mit ganz selbstverständlicher Sicherheit changierten die Musikerinnen hier zwischen romantischem und impressionistischem Tonfall, ebenso in "D'un matin de printemps" von Lili Boulanger - wer sonst spielt schon einmal Musik dieser Komponistin?"
Robert Jungwirth