MusikTexte, Februar 2010

Evolutionsschritte der neuen Musik

"Wenn man Rihm so spielen kann, braucht man Schumann nicht mehr", wollte man nach der wuchtig und virtuos musizierten Aufführung der neoromantisch-ekstatischen "Fremden Szenen 1-3" von Wolfgang Rihm mit dem Berliner Boulanger Trio rufen, das zuvor in mitreißender Weise auch Dieter Schnebels "B-Dur-Quintett" (mit Gästen) gespielt hatte und das Gefühl vermittelte, dass sich ein Evolutionsschritt in der Interpretationskunst der neuen Musik anbahne."
Matthias R. Entreß



Frankfurter Rundschau, 12. Februar 2010

Welten im Ungefähren

"...dann wurde [Schnebels] schubertisch getünchtes B-Dur-Quintett von den neoexpressionistisch gefügten drei "Fremden Szenen" von Rihm aus dem Saal gefegt - hinreißend existenziell gespielt vom Boulanger Trio."



Hamburger Abendblatt, 28. Januar 2010

Ehe zu dritt? So geht's in der Musik

"Was bedeutet es, gemeinsam Musik zu erarbeiten? In der Musikhochschule haben sich die Konzertagentin Sonia Simmenauer und das Boulanger Trio charmant und kenntnisreich über "Musik als Beziehungskunst" unterhalten. Vorweg spielten die drei atemberaubend intensiv den ersten Satz aus Schumanns Klaviertrio d-Moll und die "Fremde Szene III" von Wolfgang Rihm.
Zahlreich sind die Beziehungsaspekte im Ensemble. Wo und wann wird geprobt, wer bucht die Flüge? Delikater schon: Wie finden es die Familien, dass die jungen Frauen so viel Zeit und Energie woanders investieren? Und schließlich: Wer bestimmt Repertoire und Interpretation, und wie geht es dem, der überstimmt wurde?
Bei Boulangers offenbar kein Problem. "Wir sprechen die Dinge immer gleich an", sagte die Geigerin Birgit Erz. Man fragt sich, wie es wohl zugeht, wenn die Musiker einander nicht so zugetan sind. Vom Amadeus Quartett etwa erzählt man sich, die Herren seien grundsätzlich in getrennten Zugabteilen gereist."
Verena Fischer-Zernin



Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. Januar 2010

Ultraschall Festival Berlin

"Und den drei "Fremden Szenen" für Klaviertrio von Wolfgang Rihm, älter als ein Vierteljahrhundert, war eine unerhörte Wucht eigen, in der sich die Verteidigung des Pathos - nach 1945 besonders in Deutschland verpönt - fesselnd mitteilte, was auch der grandiosen Aufführung durch das Boulanger Trio zu danken war."
Jan Brachmann



klassikinfo.de, Januar 2010

55. Internationale Kammermusikwoche auf Schloss Elmau

"Eine wirkliche Entdeckung dieser hochkarätig besetzten Kammermusikwoche war auch das Berliner Boulanger Trio, benannt nach den beiden so wichtigen französischen Musikdamen Naja und Lili Boulanger. Obgleich erst 2006 gegründet, wirkt das Spiel der drei Damen so als spielten sie schon seit einer halben Ewigkeit zusammen, was wohl daran liegt, dass jede der Musikerinnen davor schon viel Kammermusikerfahrung gesammelt hat. Auffällig bei diesem Trio ist sein bei aller Klarheit der Stimmen dezidiert romantische Tonfall etwa in Schumanns erstem Klaviertrio (d-Moll, op. 63) oder auch in Schönbergs "Verklärter Nacht", die der Komponist und Schönberg-Schüler Eduard Steuermann zum Klaviertrio umgearbeitet hat. Mit ganz selbstverständlicher Sicherheit changierten die Musikerinnen hier zwischen romantischem und impressionistischem Tonfall, ebenso in "D'un matin de printemps" von Lili Boulanger - wer sonst spielt schon einmal Musik dieser Komponistin?"
Robert Jungwirth