WILLKOMMEN

Herzlich willkommen zur Boulangerie 2017!
Unsere Konzertreihe verbindet Konzert und Salon miteinander und baut eine Brücke zwischen dem traditionellen Kammermusikrepertoire und der Musik von heute. Jede Veranstaltung ist einem Komponisten der Gegenwart gewidmet, der während des Konzerts anwesend ist und mit uns über sein Schaffen spricht – im Zentrum steht dabei nicht die musikwissenschaftliche Analyse der Werke, sondern ein persönliches Gespräch über die Musik. Zum Ausklang des Abends gibt es Baguette und Wein und die Gelegenheit, mit uns Musikerinnen und unserem Gast ins Gespräch zu kommen.

 

In diesem Jahr haben wir wieder großartige Komponisten zu Gast, die alle eine ganz individuelle und unverkennbare Tonsprache gefunden haben. Gleich unsere erste Veranstaltung ist auch für uns eine Premiere: zum ersten Mal haben wir gleich zwei KomponistInnen gemeinsam eingeladen: Ulrich Kreppein und Charlotte Seither haben beide Werke geschrieben, für die Skulpturen als Inspiration Pate standen. Im Juni sind wir sehr glücklich die gefeierte Finnin Kaija Saariaho mit ihrem Werk Light and Matter in Hamburg begrüßen zu dürfen. In Berlin gibt es eine Hans Werner Henze gewidmete Veranstaltung. Als Gesprächsgast konnten wir seinen langjährigen Assistenten Dr. Michael Kerstan gewinnen.
In der zweiten Jahreshälfte ist – zum zweiten Mal in unserer Boulangerie – Toshio Hosokawa aus Japan zu Gast.

 

Wir hoffen, Sie bald in unserer Boulangerie begrüßen zu dürfen!

Karla, Birgit & Ilona

Boulanger Trio

DIE NÄCHSTEN VERANSTALTUNGEN

Mittwoch, 14. Juni 2017, 19 Uhr

Hamburg, resonanzraum St. Pauli

Boulangerie mit Kaija Saariaho

Clara Schumann, Trio g-Moll op. 17
Kaija Saariaho, Light and Matter (2014)
Boulanger Trio
Gast: Kaija Saariaho

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Light and Matter wurde gemeinsam von der Kongressbibliothek, Britten Sinfonia, Norrbotten NEO und den äolischen Kammermusikern zu Ehren des 50-jährigen Bestehens des Bowdoin International Music Festival in Auftrag gegeben.

Kaija Saariahos Inspiration für diese Arbeit kam von dem Blick aus ihrem Fenster in New York, wo sie die wechselnden Lichter und Bewegungen des Morningside Park sah. Das Stück schafft es, die Dynamik von Bewegung und kinetischer Energie durch das musikalische Zusammenspiel der drei Instrumente genau darzustellen.

Kaija Saariaho

Saariaho studierte an der Sibelius-Akademie in Helsinki bei dem Avantgardisten Paavo Heininen und gründete mit Magnus Lindberg und anderen die Gruppe Open Ears. Sie setzte ihre Ausbildung dann in Freiburg im Breisgau bei Brian Ferneyhough und Klaus Huber fort, nahm an den Darmstädter Ferienkursen teil und studierte ab 1982 am IRCAM im Centre Pompidou in Paris, wo sie 2010 noch immer lebte, computergestützte Komposition und Arbeit mit dem Tonband und Live-Elektronik.


Es entstanden Kompositionen wie Verblendungen (1984), ein Wechselspiel zwischen Orchester und Tonband, sowie Du Cristal (1989) und …à la Fumée (1990) unter Verwendung von Live-Elektronik. Unter dem Einfluss der spectralists, einer französischen Komponistengruppe, deren Kompositionen auf der Computeranalyse des Klangspektrums einzelner Töne auf verschiedenen Instrumenten basieren, wandte sich Saariaho einem Stil zu, der von lang gehaltenen Bassnoten und der Verwendung mikrotonaler Intervalle geprägt ist. In diesem Stil komponierte sie ihr bekanntestes Werk, Graal théâtre für Violine und Orchester (1994–1997).

Saariahos Werke wurden bei internationalen Festivals in London (1989), Jakarta (1989), Paris (1989, 1991) und Wien (1993) aufgeführt. Sie erhielt 1986 den Kranichsteiner Musikpreis der Darmstädter Ferienkurse, 1988 den Prix Italia für Stillleben, 1989 den Ars Electronica Prize für Stillleben und Io und 2000 den Musikpreis des Nordischen Rates für Lonh sowie zusammen mit Michael Daugherty den Stoeger Prize. 1999 dirigierte Kurt Masur mit dem New York Philharmonic Orchestra ihre Komposition Oltra mar für Chor und Orchester.

Bei den Salzburger Festspielen dirigierte Kent Nagano 2000 mit großem Erfolg ihre erste Oper L’Amour de loin (auf ein Libretto von Amin Maalouf nach der Biografie des Troubadours Jaufré Rudel La Vida Breve). 2006 fand die Uraufführung ihrer Oper Adriana Mater an der Opéra Bastille in Paris statt. 2010 wurde in Lyon Saariahos dritte Oper Émilie uraufgeführt. Das Libretto zu dieser Einpersonenoper schrieb wiederum Amin Maalouf, Dirigent war Kazushi Ono.

Für L’Amour de loin wurde Saariaho mit dem Grawemeyer Award für Musik ausgezeichnet. Im Januar 2009 wurde Saariaho mit dem Heidelberger Künstlerinnenpreis, dotiert mit 5.000 Euro, ausgezeichnet.[1] Auf Einladung von Walter Fink erschien sie im jährlichen Komponistenporträt des Rheingau Musik Festival 2010, als zweite Frau nach Sofia Gubaidulina. Im Metternichsaal von Schloss Johannisberg erklangen unter anderem Sept Papillons für Violoncello solo (2000), gespielt von Anssi Karttunen, und Quatre Instants für Sopran und Klavier (2002) mit Pia Freund und David Lively. 2011 erhielt sie den Léonie-Sonning-Musikpreis. 2011 wurde der Einspielung ihrer Oper L’Amour de loin durch das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin und den Rundfunkchor Berlin unter der Leitung von Kent Nagano der Grammy Award in der Kategorie Best Opera Recording zuerkannt. 2012 wurde sie in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Im Mai 2013 wurde Saariaho gemeinsam mit Youssou N’Dour mit dem Polar Music Prize ausgezeichnet.

TICKETS HAMBURG

Sonntag, 2. Juli 2017, 19 Uhr

Berlin, Radialsystem V

Boulangerie, Hans Werner Henze gewidmet

Hans Werner Henze, Adagio adagio (1993)
Ludwig van Beethoven, Trio D-Dur op. 70 Nr.1 “Geistertrio”
Hans Werner Henze, Sonata für Violine solo (1976/77 rev. 1992)
Hans Werner Henze, Kammersonate (1948)
Boulanger Trio
Gesprächsgast: Michael Kerstan

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Hans Werner Henze

Hans Werner Henze war zweifellos einer der bedeutendsten Komponisten seiner Zeit. Über 59 Jahre in Italien lebend, hat er seine eigene Tonsprache entwickelt, die vom italienischen Lebensgefühl geprägt ist. Henzes Musik, die, wie er selber sagte, „vom Theater ausgeht“, bezieht immer auch politisch Stellung, und aus ihr und in ihr sprechen die großen humanitären Anliegen in berührender Weise.

Die meisten seiner 15 Opern haben schnell Eingang ins internationale Repertoire gefunden. Die Kompletteinspielung seiner 10 Sinfonien bei WERGO mit dem Rundfunksinfonieorchester Berlin unter Marek Janowski sieht ihrer Vollendung entgegen. Sein Werkverzeichnis enthält Stücke aller musikalischen Gattungen.

Mit dem „Cantiere Internazionale d’Arte Montepulciano“ und der „Münchener Biennale – Internationales Festival für Neues Musiktheater“ hat Henze als Pädagoge und Förderer junger Kollegen zwei Festivals geschaffen, die den Beginn bedeutender Karrieren markieren und aus dem internationalen Kulturleben nicht mehr wegzudenken sind.

Hans Werner Henze hat zahlreiche Ehrungen erhalten, darunter mehrere Ehrendoktorwürden, den „Praemium Imperiale“ des Kaiseers von Japan, das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und die Ernennung zum „Chevalier de la Légion d’honneur“.
Bis zu seinem Tode war er im Musikleben aktiv, zuletzt als „Capell-Compositeur“ der Dresdner Staatskapelle.

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zu Henzes Kammersonate (1948)
Komponiert wurde Henzes Kammersonate für Klaviertrio 1948, also in der unmittelbaren für Henze sehr produktiven Nachkriegszeit; die Uraufführung war 1950 in Köln. Henze studierte in jener Zeit Kirchenmusik bei Wolfgang Fortner in Heidelberg; er besuchte die Darmstädter Ferienkurse, nahm Unterricht bei René Leibowitz und lernte Darius Milhaud kennen. 1947 hatte er schon seine erste Sinfonie und sein erstes Violinkonzert geschrieben. 1948 arbeitete er auch an seiner ersten Oper ‚Das Wundertheater’. Es war die Zeit jugendlicher ‚Wildheit’; Henze wollte den „vollen, wilden Wohlklang“, oder, mit einer anderen seiner Formulierungen, „Freiheit, wilder und schöner neuer Klang“.

Neuer Klang ergibt sich aus der Reihentechnik, der er aber sehr unorthodox folgt. Er bricht die Brücken zur Vergangenheit nicht ab, gerade in der Kammersonate, die vom Titel her ja auf das Barock zielt (Sonata da camera). Als „Wechselspiele zwischen Kontrapunktik und akkordlich gestützter Cantabilitá“ erklärt Henze selbst sein Werk.

Neben der Wildheit, mit der der Erste Satz beginnt und aus der sich ein die gesamte Sonate prägendes barockisierendes Motiv von fünf Tönen entwickelt, steht Tänzerisch-Kapriziöses. Der Dolce-Satz, mit ca. 3 ½ Minuten der längste der Sonate, besticht durch schönen Wohlklang und lyrische Besinnlichkeit. Das Lento beginnt mit einer dramatischen Geste (Unisono der Streicher). Die ihr folgende, vor allem durch die Rhythmik sich ergebende Unruhe mündet in einem beruhigenden Spiel barockisierender Elemente. Verspielt-geistreich ist das sanft ausklingende ‚Minuten-Stück’ des Allegretto. Der Epilog kehrt zunächst zu der Wildheit des Beginns zurück, ja steigert sie noch, verklingt dann aber – wie alle Sätze dieser Sonate, in sanftem Piano.
(Dr. Peter Wieners)

Henzes „Adagio adagio“ wurde von Sir Yehudi Menuhin 1993 auf Schloss Wolfsgarten zu Ehren von Prinzessin Margaret von Hessen und bei Rhein uraufgeführt.

Tickets Berlin

Dienstag, 5. Dezember 2017, 19 Uhr

Hamburg, resonanzraum St. Pauli

Boulangerie mit Toshio Hosokawa

Toshio Hosokawa, Small Chant (2012) für Violoncello
Camille Saint-Saëns, Trio e-Moll op. 92
Toshio Hosokawa, Klavier-Trio (2013)
Boulanger Trio
Gast: Toshio Hosokawa

Toshio Hosokawa

Mittwoch, 6. Dezember 2017, 19 Uhr

Berlin, Radialsystem V

Boulangerie mit Toshio Hosokawa

Toshio Hosokawa, Small Chant (2012) für Violoncello
Camille Saint-Saëns, Trio e-Moll op. 92
Toshio Hosokawa, Klavier-Trio (2013)
Boulanger Trio
Gast: Toshio Hosokawa

Sonntag, 13. Mai 2018, 17 Uhr

Fulda

Boulangerie mit Pēteris Vasks

Pēteris Vasks, Episodi e canto perpetuo
Olivier Messiaen, Quatuor pour la fin du temps
Gäste: Pēteris Vasks, Sebastian Manz (Klarinette)


veranstaltet von der Stadt Fulda

Peteris Vasks

Wir danken unseren Förderern:

Kulturbehoerde
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Medienpartner:

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Orte

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Holzmarktstr. 33
10243 Berlin
Karten: 18€, ermäßigt 11€ (inklusive Buffet)
Ticket-Hotline 030 – 288 788 588
Kartenverkauf online: www.radialsystem.de oder www.reservix.de

resonanzraum 300x90

Feldstraße 66
20359 Hamburg
Karten 18€, ermäßigt 11€ (inklusive Buffet)
Kartenverkauf online: www.boulangerie.tickets.de

Hamburger Abendblatt, 11/2016

Boulanger Trio: Bei Wein und Käse Musik entdecken

Ein Artikel von Verena Fischer-Zernin

Hamburg. Liefe die Veranstaltung im Fernsehen, dann hieße sie womöglich “Das kompositorische Quartett”: Drei Musikerinnen sitzen mit einem Gast in einer Runde und unterhalten sich mit ihm eloquent und charmant über ihn und sein Werk. Zwischendurch spielen sie.

Dies ist aber keine neue Talkshow. Dies ist die “Boulangerie”, wie die drei Damen vom Boulanger Trio ihren Salon nennen. Die Werkauswahl trifft der eingeladene Komponist, es erklingen jeweils Werke aus seiner Feder und solche aus dem angestammten Repertoire für Klaviertrio. Am Schluss bitten die Künstlerinnen die Anwesenden zu Wein und Käse.

“Unser Konzept ist, dass die Leute mit uns den Komponisten kennenlernen, den Menschen, der hinter der Musik steht. Der interessiert uns ja genauso”, sagt die Geigerin des Trios, Birgit Erz, über die “Boulangerie”. “Wenn man den Menschen kennt, ist die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, viel größer.”

Erz und ihre Mitstreiterinnen Karla Haltenwanger (Klavier) und Ilona Kindt (Cello), jede für sich eine ausgezeichnete Interpretin, haben einzeln und gemeinsam zahlreiche Preise nach Hause getragen – wo übrigens auf jede von ihnen zwei Kinder warten; gute Organisation und ein belastbares Netzwerk brauche es schon, sagt Erz. Zu hören ist es bei ihren Konzerten nie, wie anstrengend der Spagat zwischen Kunst und Familie sein kann. Wolfgang Rihm (das ist der, der zur Eröffnung der Elbphilharmonie das Auftragswerk “Reminiszenz” beisteuert) bedankte sich nach einem Konzert: “So interpretiert zu werden ist wohl für jeden Komponisten ein Wunschtraum.” Und ein begeisterter Kritiker hat die drei gar schon als Erbinnen des weltberühmten Beaux Arts Trios ausgerufen.

Anders als beim Beaux Arts Trio gehört für sie allerdings die Beschäftigung mit Neuer Musik zum Kern ihres künstlerischen Profils. Mit dem Ensemblenamen ehren die Musikerinnen die französischen Schwestern Nadia und Lili Boulanger. Beide waren Komponistinnen. Lili starb schon 1918 mit 24 Jahren und hinterließ ein schmales, aber wegweisendes Œuvre. Nadia wiederum hat die zeitgenössische Musik bis zu ihrem Tod 1979 über Jahrzehnte mitgeprägt, zu ihren Schülern gehörten Astor Piazzolla, Philip Glass und auch Daniel Barenboim. Jeden Mittwoch gab sie Theoriestunden in ihrer Pariser Wohnung. Da kamen nicht nur ihre Studenten, sondern auch andere Künstler, und hinterher gab es Tee und Gebäck. Die Studenten nannten diese Institution so liebevoll wie beziehungsreich “Boulangerie” (das französische Wort für “Bäckerei”).

Den Rang des Boulanger Trios zeigt auch die Riege bedeutender Komponisten, die die Einladung zur “Boulangerie” angenommen haben. Toshio Hosokawa war da, ein führender Vertreter der zeitgenössischen japanischen Musik, dessen Oper “Stilles Meer” Anfang des Jahres an der Staatsoper uraufgeführt wurde. Der Doyen der Neuen Musik in Österreich, Friedrich Cerha, hat mit ihnen vor Publikum geplaudert, und im Juni kommt die gefeierte Finnin Kaija Saariaho.

Seit 2012 leisten die drei sich die “Boulangerie” in Hamburg und im Berliner Radialsystem. Inzwischen haben sie die Reihe, dank der Hilfe der Alban Berg Stiftung, sogar in den Wiener Musikverein exportieren können. Und seit die drei von der etwas abseits gelegenen Kulturfabrik Kampnagel in den Resonanzraum umgezogen sind, entwickeln sich die Besucherzahlen prächtig.

“Der Raum ist perfekt für uns, auch mit der Bar”, sagt Birgit Erz. “Der klingt toll, ist sehr flexibel und hat eine tolle Atmosphäre.” Über einen Umzug in die Elbphilharmonie nachzudenken sieht sie zurzeit keinen Grund. “Wir wollen ja mit dem Publikum gemeinsam etwas entdecken. Für uns funktioniert das besser in einer intimen Atmosphäre”, sagt Erz. “Da kommen Leute, die noch nie mit Neuer Musik in Berührung waren, und die finden das alle spannend.” Man findet aber auch nicht jeden Tag ein Ensemble dieses Niveaus, das dem Publikum Neue Musik so unangestrengt wie kenntnisreich nahebringt und es teilhaben lässt an dem knisternd intensiven Kontakt, der beim Musizieren entsteht.

Kammer-Musik eben. Selten wird das Wesen des Genres so fassbar.