WILLKOMMEN

Herzlich willkommen zur Boulangerie 2018/2019!
Unsere Konzertreihe verbindet Konzert und Salon miteinander und baut eine Brücke zwischen dem traditionellen Kammermusikrepertoire und der Musik von heute. Jede Veranstaltung ist einem Komponisten der Gegenwart gewidmet, der während des Konzerts anwesend ist und mit uns über sein Schaffen spricht – im Zentrum steht dabei nicht die musikwissenschaftliche Analyse der Werke, sondern ein persönliches Gespräch über die Musik. Zum Ausklang des Abends gibt es Baguette und Wein und die Gelegenheit, mit uns Musikerinnen und unserem Gast ins Gespräch zu kommen.

 

Wir hoffen, Sie bald in unserer Boulangerie begrüßen zu dürfen!

Karla, Birgit & Ilona

Boulanger Trio

SAISON 2018 / 2019

Freitag, 28. September 2018, 20 Uhr

Berlin, Konzerthaus

Boulangerie mit Friedrich Cerha

Friedrich Cerha, 6 Inventionen für Violine und Violoncello (2005/2006)
Antonín Dvorák, Trio e-Moll op. 90 “Dumky”
Friedrich Cerha, 5 Stücke für Klarinette, Violoncello und Klavier (1999/2000)
Andreas Schablas, Klarinette
Boulanger Trio

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© Manu Theobald

Samstag, 29. September 2018, 19 Uhr

Hamburg, Elbphilharmonie

Boulangerie mit Friedrich Cerha

Friedrich Cerha, 6 Inventionen für Violine und Violoncello (2005/2006)
Antonín Dvorák, Trio e-Moll op. 90 “Dumky”
Friedrich Cerha, 5 Stücke für Klarinette, Violoncello und Klavier (1999/2000)
Andreas Schablas, Klarinette
Boulanger Trio

Friedrich Cerha

“Trotz meines hohen Alters suche ich immer noch nach Neuem. Der Weg auf dem ich suche, führt notgedrungen zu mir selbst. Es geht also auch noch immer darum, neue Seiten an mir selbst zu finden. Das intensive Erleben von Musik ist ein Weg in sich hinein – auch für den Zuhörer.”

Der 1926 in Wien geborene Komponist Friedrich Cerha gilt seit langem als bedeutendster österreichischer Komponist der Gegenwart. 1958 gründete er das Wiener Solistenensemble „die reihe”, das er Jahrzehnte lang leitete. Bereits 1960/61 entstand der Zyklus Spiegel, ein für Cerhas Schaffen zentrales Werk. Mit seiner 1979 entstandenen Fassung des 3. Aktes von Alban Bergs Lulu machte er sich auch international einen Namen.

Immer wieder setzt sich Friedrich Cerha mit unterschiedlichen Stilrichtungen wie der Zwölftonlehre, dem Neoklassizismus oder der Seriellen Musik auseinander. Dabei geht es ihm stets um emotional mitvollziehbare Entwicklungen, die sowohl seine großen Orchesterwerke als auch seine Kammermusik prägen.

Zentral für sein Schaffen sind die Musiktheaterwerke. Bereits für den Zyklus Spiegel gibt es eine Version für Bewegungsgruppen, Licht und Objekte. Kurze Zeit später entsteht das erste Musiktheaterwerk Netzwerk. Ende der siebziger Jahre beschäftigt er sich mit Bertolt Brechts Baal, und es entsteht das gleichnamige Werk, in dem Cerha vor allem das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft thematisiert. Weitere Werke wie Der Rattenfänger (1984-1986) und Der Riese vom Steinfeld (1997) folgen. Zu seinen wichtigsten Orchesterwerken zählen die Langegger Nachtmusik III sowie Impulse für Orchester.

In den letzten Jahren sind zahlreiche Solo-Konzerte entstanden, darunter das Konzert für Violine und Orchester (2004), das Konzert für Sopransaxophon und Orchester (2003/2004) und das Klarinettenkonzert (2009). Im Herbst 2009 wurde das Konzert für Schlagzeug und Orchester (Martin Grubinger, Mozarteumorchester Salzburg) uraufgeführt. Weitere Uraufführungen von Orchesterwerken wie Instants (WDR Symphonieorchester), Like a Tragicomedy (BBC Philharmonic Orchestra) und, im Rahmen der Wiener Festwochen 2010, Kammermusik für Orchester (ORF Radio Symphonieorchester) folgten.

Sowohl die Salzburg Biennale als auch das Festival Wien Modern widmeten Friedrich Cerha 2011, dem Jahr seines 85. Geburtstages, Festivalschwerpunkte, und die darauf folgenden Uraufführungen zeugen von Friedrich Cerhas ungebrochener Schaffenskraft. Nachdem im Oktober 2011 seine Paraphrase über den Anfang der 9. Sinfonie Beethovens einen großen Beethoven-Zyklus des Gewandhauses zu Leipzig eröffnet hat, brachten die Neuen Vocalsolisten im Februar 2012 sein Werk Zwei Szenen beim ECLAT Festival Neue Musik Stuttgart zur Uraufführung.

Mit einem neuen Orchesterwerk von Friedrich Cerha eröffnet das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich seine Konzertsaison 2012/2013. Vier von insgesamt Elf Skizzen werden in drei Konzerten zur Uraufführung kommen. Im Juni 2013 wird das Münchener Staatstheater am Gärtnerplatz in Zusammenarbeit mit der Volksoper Wien die Premiere von Friedrich Cerhas neuer Oper Der Präsident präsentieren, die anschließend in Österreich gespielt wird.

Neben seiner Kompositionstätigkeit lehrte Friedrich Cerha bis 1988 an der Hochschule für Musik in Wien. Zu seinen Schülern zählen Georg Friedrich Haas und Karlheinz Essl. Friedrich Cerha ist Träger des Großen Österreichischen Staatspreises, Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften sowie Officier des Arts et Lettres. Die Biennale di Venezia verlieh ihm 2006 den Goldenen Löwen für sein Lebenswerk. Friedrich Cerha ist außerdem Preisträger des oft als „Nobelpreis der Musik” bezeichneten Ernst von Siemens Musikpreises, der ihm im Rahmen eines musikalischen Festaktes im Juni 2012 verliehen wurde.

Andreas Schablas

Andreas Schablas besuchte die Johannes Brahms Musikschule in seiner Heimatstadt Mürzzuschlag und studierte an den Musikuniversitäten in Graz und Wien, bei Kurt Daghofer, Peter Schmidl und vor allem Johann Hindler. Neben dem Standardrepertoire gilt sein Interesse vor allem den Werken des 20. und 21. Jahrhunderts. So spielte er die österreichische Erstaufführung des Klarinettenkonzerts von Jean Francaix und die Uraufführung des Klarinettenkonzerts von Friedrich Cerha. Auch als Mitglied im Oesterreichischen Ensemble für neue Musik (oenm) und mit einem umfangreichen Repertoire für Klarinette und Bassklarinette solo engagiert er sich für die Musik unserer Zeit. Darüber hinaus widmet sich der Künstler mit Hingabe der Kammermusik in verschiedenen Besetzungen.
Schablas war bis 2008 Mitglied im Mozarteum Orchester Salzburg, danach wechselte er als stellvertretender Soloklarinettist in das Bayerische Staatsorchester, wo er seit 2010 als Soloklarinettist tätig ist.
Im Oktober 2017 übernahm Andreas Schablas eine Professur an der Universität Mozarteum Salzburg, darüber hinaus gibt er Meisterkurse im Rahmen der Internationalen Sommerakademie Salzburg und in Haus Marteau.

6 Inventionen für Violine und Violoncello

Die meisten meiner Kompositionen sind von langer Hand im Kopf vorbereitet, bevor ich mit der eigentlichen Arbeit beginne. Die Inventionen für Violine und Violoncello dagegen verdanken ihre Entstehung einer kuriosen Konstellation: Robert Neumüller hat einen Film über mich gedreht und wollte dafür eine Passage haben, in der ich Noten schreibe. Da ich außer Stande bin, sinnlos Noten zu schreiben, ist dabei ein Abschnitt für Geige und Cello entstanden, dem ich keinerlei Bedeutung beimaß. Als ich das Blatt am nächsten Tag in den Papierkorb befördern wollte, entdeckte ich aber einen brauchbaren Ansatz für weitere Arbeit, und es entwickelten sich in der Folge die Sechs Inventionen. Ich dachte natürlich an meine Freunde Ernst Kovacic und Heinrich Schiff, denen die Stücke auch gewidmet sind. Die Zahl 6 und der Titel Inventionen wollen bewusst einen Bezug zu Bach herstellen.

Die Stücke sind von stark gegensätzlichem Charakter. Das erste ist lyrisch gehalten mit einigen
quasi improvisatorischen Zügen. Das lebhafte zweite ist mit „energico“ überschrieben und hat auch dramatische Akzente. Das formal sehr einfache dritte besteht ausschließlich aus Flageolett-Tönen. Wenn sie gelingen, soll eine Art „himmlischer Gesang“ entstehen. Das vierte ist das längste Stück. Es ist durch die Spielanweisung „gespenstisch huschend“ charakterisiert und verlangt große Leichtigkeit in der Darstellung. Das fünfte ist elegisch gehalten und bringt unter anderem Erinnerungen an das erste. Zum letzten Stück: Wenn ich von in zunehmendem Maß unangenehmen Flugreisen in meine Wohnung zurückkehre, singe ich oft: „Gott sei Dank, dass wir wieder zu Hause sind.“ Das tut auch Schigolch, wenn er im II. Akt von Bergs „Lulu“ ins Haus des Dr. Schön kommt. Diese Stelle ist zum Thema der Invention geworden. Das Tempo ist allerdings viel schneller. Die Zweistimmigkeit legt in allen Stücken polyphone Arbeit nahe: im letzten ist sie auf die Spitze getrieben, und ich habe meinen Freunden hier mit einem Schuss Bosheit auch technisch ziemlich Kniffliges hineingeschrieben.

Friedrich Cerha

5 Stücke für Klarinette, Violoncello und Klavier

Heinrich Schiff hat mich mehrmals zu verschieden gewichteten Kompositionen angeregt. Seine Bitte, mir doch etwas für die Besetzung Klarinette, Violoncello und Klavier einfallen zu lassen, weil die Musiker immer in Verlegenheit seien, was sie zwischen den beiden einschlägigen Werken von Beet- hoven und Brahms spielen sollten, hat dazu geführt, die Fünf Stücke als eine Hommage zu seinem 50. Geburtstag zu komponieren. Sie sind nicht einfach aneinandergereihte Sätze, sondern bilden eine zyklische Einheit. Das erste, dritte und fünfte Stück sind in langsamem Tempo, die beiden übrigen schnell.

Im ersten Stück steht das Klavier mit Oktavenbewegungen den beiden anderen Instrumenten gegen- über. Eine zweimal auftretende signalartige Fortissimo-Floskel faßt in der Mitte eine alle Instrumente ergreifende Bewegung in Vierteltriolen ein.

Im schnellen zweiten Stück umschließt ein heftiges Motiv im Klavier, zu dem eine komplementäre Bewegung in Sechzehntel-Quintolen tritt, einen Mittelteil: Einem Presto im pianissimo dahinhuschen- den 6/8-Takt, dem vorübergehend eine Zweierteilung (punktierte Achtel) entgegensteht, entspricht nach einer modifizierten Wiederaufnahme des ersten Teils ein kurzer Epilog.

Der Charakter des dritten Stücks ist dunkel. Zwei rasche Floskeln schließen eine Art Choral im Forte ein.
Das heftige und schnelle vierte Stück lebt – darin dem zweiten ähnlich – von der Gegenüberstellung komplementärer Bewegungen; Triolensechzehntel und punktierte Rhythmen wechseln mit durchlau- fenden und verschieden artikulierten 2:3-Bewegungen.

Das letzte Stück ist sehr langsam. Einer Linie in der Klarinette wird im ersten und letzten Abschnitt eine klagende, immer wiederholte Glissando-Lamento-Floskel im Cello gegenübergestellt. In der Mitte tritt zweimal – an das dritte Stück erinnernd – ein choralartiger Charakter auf. Am Schluß steigert sich eine insistierende Viertelbewegung bis zum dreifachen Forte, das langsam verklingt.

Friedrich Cerha

CD Kammermusik von Friedrich Cerha

Sonntag, 9. Dezember 2018, 18 Uhr

Berlin, Maison de France

Boulangerie, Bernd Alois Zimmermann gewidmet

Johannes Brahms, Trio c-Moll op. 101
Bernd Alois Zimmermann, Présence. Ballet blanc en cinq scènes (1961)
mit Matti Klemm (Sprecher)
Boulanger Trio
Gesprächsgast: Prof. Bernhard Kontarsky

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Dienstag, 11. Dezember 2018, 19 Uhr

Hamburg, resonanzraum St. Pauli

Boulangerie, Bernd Alois Zimmermann gewidmet

Johannes Brahms, Trio c-Moll op. 101
Bernd Alois Zimmermann, Présence. Ballet blanc en cinq scènes (1961)
mit Matti Klemm (Sprecher)
Boulanger Trio
Gesprächsgast: Prof. Bernhard Kontarsky

TICKETS HAMBURG
Bernd Alois Zimmermann

Bernd Alois Zimmermann wurde am 20. März 1918 in Erftstadt-Bliesheim geboren. Er starb am 10. August 1970 in Frechen-Königsdorf bei Köln.Er war einer der herausragenden deutschen Komponisten der musikalischen Avantgarde, der in der Auseinandersetzung mit der Neuen Musik zu einem eigenen Stil fand. Sein bekanntestes Werk ist die Oper Die Soldaten.

Zimmermann wuchs im ländlich-katholischen Milieu der Eifel auf. Sein Vater war Beamter bei der Reichsbahn und betrieb im Nebenerwerb Landwirtschaft. Ab 1929 besuchte Bernd Alois Zimmermann die katholische Privatschule im Kloster Steinfeld, wo er sich erstmals systematisch mit Musik auseinandersetzte und den Grundstein für seine enorme literarische Bildung legte. Als 1936 die Privatschulen in Deutschland von den Nationalsozialisten geschlossen wurden, wechselte Zimmermann auf ein staatliches katholisches Gymnasium in Köln, wo er 1937 das Abitur ablegte. Im gleichen Jahr leistete er seinen Reichsarbeitsdienst ab und schrieb sich zum Wintersemester 1937/38 an der Hochschule für Lehrerausbildung in Bonn ein.

Eigentlich wollte Zimmermann Theologie studieren, begann aber dann im Wintersemester 1938/39 das Studium der Schulmusik, Musikwissenschaft und Komposition an der Hochschule für Musik Köln. 1940 erfolgte die Einberufung zur Wehrmacht, aus der er im Herbst 1942 wegen einer schweren Hautkrankheit entlassen wurde. Er nahm das Studium wieder auf, dessen Abschluss sich durch Kriegsende und Nachkriegswirren bis 1947 verzögerte. Bereits seit 1946 war Zimmermann als freischaffender Komponist tätig, überwiegend für den Rundfunk. Von 1948 bis 1950 nahm er an den Kranichsteiner/Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik teil, unter anderem bei René Leibowitz und Wolfgang Fortner, und arbeitete 1950-52 als Lektor für Musiktheorie am Musikwissenschaftlichen Institut der Kölner Universität.

1957 bekam Zimmermann ein Stipendium für die Villa Massimo in Rom und übernahm 1958 als Nachfolger von Frank Martin eine Kompositionsprofessur an der Kölner Musikhochschule, wo er das Seminar für Bühnen-, Film- und Rundfunkmusik begründete. In den 1960er Jahren etablierte er sich als erfolgreicher Komponist. Er wurde 1960 mit dem Großen Kunstpreis von Nordrhein-Westfalen und 1966 mit dem Kunstpreis der Stadt Köln geehrt. 1964 erhielt er ein zweites Stipendium für die Villa Massimo und wurde 1965 Mitglied der Berliner Akademie der Künste. Einen Ruf als Kompositionsprofessor an die Berliner Hochschule der Künste lehnte er 1968 ab. 1969 wurde er mit dem Berliner Kunstpreis ausgezeichnet.

Zum Ende des Jahrzehnts verstärkten sich bei Zimmermann depressive Tendenzen und führten zu einer psychischen Krise, hinzu kam ein sich schnell verschlimmerndes, inoperables Augenleiden. Am 10. August 1970 nahm sich der Komponist das Leben.

Matti Klemm

Matti Klemms Instrument ist die Stimme. Und die leiht er als Synchronsprecher vielen Gesichtern: Oscarpreisträger Mahershala Ali, Jason Momoa, Ólafur Darri Ólafsson oder auch Kirk Douglas- in bisher unveröffentlichten Szenen von restaurierten Filmen- sind nur einige davon.

Sein Rollen-Repertoire könnte vielseitiger nicht sein. Aktuell ist er in deutschen Kinosälen sowohl als Jazzlegende Don Shirley in dessen Biographieverfilmung „Green Book“ als auch als Superheld „Aquaman“ in der gleichnamigen DC-Comicverfilmung zu erleben.

Der 1975 in Leipzig geborene Künstler ist sicherlich vielen auch als Senderstimme des Fernsehsenders Kabel1 und als Presenter der Europa- und Weltmeisterschaft in ARD und ZDF vertraut. Ebenfalls für das öffentlich-rechtliche Fernsehen sowie für den Weltverlag spricht er Reportagen und Dokumentationen.

Sein Steckenpferd jedoch sind musikalische Lesungen. Mit der Neuen Frankfurter Philharmonie führt er regelmäßig Live-Hörspiele auf, zuletzt den „Karneval der Tiere“, den „Hund von Baskerville“ und als Uraufführung die Sprechoper „Ex“.
Zusammen mit seiner Frau Loretta Stern und dem Jazz-Musiker Dr.Peter Wegele vertonte er „Die Tagebücher von Andy Warhol“.

Und freut sich nun, abermals mit dem Boulanger Trio „Présence“ aufführen zu dürfen.

Bernhard Kontarsky

Bernhard Kontarsky, geboren 1927 in Iserlohn, studierte an der Hochschule für Musik und Tanz Köln. 1964 begann seine Dirigentenkarriere als Kapellmeister am Staatstheater Stuttgart. 1965 erhielt er den Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für Musik. Ab 1981 war Kontarsky Professor für Klavier und Leiter des Studios für Neue Musik an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main.

Kontarsky gilt als ausgewiesener Spezialist für Neue Musik. Er dirigierte unter anderem die Uraufführungen von El Rey de Harlem von Hans Werner Henze (1982), Die Erschöpfung der Welt von Mauricio Kagel, Don Quijote de la Mancha von Hans Zender (1993), Sansibar von Eckehard Mayer (1994) sowie die deutsche Erstaufführung der Oper Die Wände von Adriana Hölszky (2000). 1991 legte er eine vielbeachtete CD-Einspielung der Oper Die Soldaten von Bernd Alois Zimmermann vor, einem Werk, an dessen Uraufführung er bereits 1965 als Korrepetitor beteiligt war. Er ist Ehrenmitglied der Bernd-Alois-Zimmermann-Gesellschaft.

Kontarsky ist der jüngere Bruder der Pianisten Aloys Kontarsky und Alfons Kontarsky, mit denen er gelegentlich an drei Flügeln konzertierte.

Présence

Eines der Charakteristika Bernd Alois Zimmermanns war seine enorme, auch außermusikalische Bildung, vor allem in den Bereichen der Philosophie und Literatur. Auf philosophischem Gebiet hat Zimmermann sich intensiv mit der Zeit auseinandergesetzt; Berühmtheit erlangte seine Vorstellung von der „Kugelgestalt der Zeit“. In Présence wird scheinbar Disparates in eine umfassende Gleichzeitigkeit zusammengezogen. Den drei Instrumentalisten sind literarische Figuren zugeordnet, die den Rang von Konstanten im Werk Zimmermanns beanspruchen dürfen: Ubu Roi (Klavier), ein gefräßiger, grotesk überzeichneter Tyrann aus Alfred Jarrys absurdem Schauspiel, Miguel de Cervantes´ Don Quijote (Violine) und Molly Bloom (Cello) aus James Joyces Jahrhundertroman Ulysses. Daneben tritt ein stummer (!) „speaker“ auf, der zwischen den Sätzen sogenannte „Wortembleme“ aus Paul Pörtners Gedichtband Wurzelwerk hisst. Das Wortemblem zur 3. Szene, die aus Prokofjews Klaviersonate op. 83 und Stockhausens Zeitmaße zitiert, lautet: „Alle Wahrvögel nisten in einem einzigen Baum.“

Samstag, 16. März 2019, 20 Uhr
Hamburg, Elbphilharmonie

Boulangerie mit Preisträgern des Kompositionswettbewerbs

Boulanger Trio

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Montag, 18. März 2019, 19 Uhr
Berlin, Radialsystem V

Boulangerie mit Preisträgern des Kompositionswettbewerbs

Boulanger Trio

Ausschreibung Wettbewerb

Die Alban Berg Stiftung schreibt in Kooperation mit dem Boulanger-Trio, Berlin, für Komponistinnen und Komponisten mit Geburtsdatum nach dem 1.3. 1991 im Rahmen eines Wettbewerbes drei Kompositionspreise à 5000.- Euro für Klavier-Trio in der Besetzung Klavier, Violine, Violoncello aus.

Die eingereichten Werke sollen eine Spieldauer zwischen 12 und 15 Minuten aufweisen und dürfen noch nicht öffentlich aufgeführt worden sein. Bis zu drei gleich hohe Preise stehen – vergeben von einer Fach-Jury – für die Wettbewerbsteilnehmerinnen zur Verfügung.
Mit den Geldpreisen verbunden sind je 3 Aufführungen im In-oder Ausland durch das Boulanger­ Trio zwischen 2019 und 2021. In diesen Jahren stehen die preisgekrönten Werke dem Boulanger-Trio zu exklusivem Aufführungsrecht in der Öffentlichkeit zu.
Nach jedem Konzert mit einem preisgekrönten Werk stehen der Komponist bzw. die Komponistin und das Boulanger-Trio für einen kurzen Workshop und für Fragen des Publikums im Rahmen einer “Boulangerie” zur Verfügung.
Die Trio-Komposition muss, gemeinsam mit einem Lebenslauf und der Kopie der Lichtbildseite des Reissepasses, bis 31.8.2018 am Sitz der Alban Berg Stiftung in Trauttmansdorffgasse 27, A-1130 Wien (Kennwort: “Klaviertrio”) eingelangt sein.

Wir danken unseren Förderern:

Alban-Berg-Logo
Kulturbehoerde
logo_Rusch Stiftung
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Vereinslogo 250x50

Medienpartner:

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Reminder Boulangerie:

zum Anmeldeformular

Orte:

RADIALSYSTEM-V_Logo-300x49

Holzmarktstr. 33
10243 Berlin
Karten: 18€, ermäßigt 11€ (inklusive Buffet)
Ticket-Hotline 030 – 288 788 588
Kartenverkauf online: www.radialsystem.de oder www.reservix.de

ELBPHILHARMONIE

Platz der Deutschen Einheit 4
20457 Hamburg
Kartenverkauf online: www.elbphilharmonie.de

Rondo, Ausgabe 2/2018

Boulanger Trio: Brückenschläge

Ein Artikel von Guido Fischer

Im Klassikbetrieb machen sich Konzerthausmanager, Soziologen und Pädagogen am laufenden Band Gedanken darüber, mit welchen Strategien und Events man gerade jüngeres Publikum „abholen“ kann. Noch komplizierter wird es, wenn zeitgenössische Musik ins Spiel kommt. Da gehen bei vielen immer noch reflexartig die Klappen runter. Seit 2012 schaffen es diese drei Musikerinnen aber tatsächlich, die Neugier für avancierte Klänge derart zu wecken, dass ihre etwas anderen Salon-Konzerte regelmäßig blendend besucht und oftmals ausverkauft sind. „Boulangerie“ haben die drei Damen des Hamburger Boulanger Trio ihre Konzertreihe getauft.

Und das Erfolgskonzept ist im Grunde denkbar einfach. Für jede „Boulangerie“ wird ein zumeist namhafter Komponist eingeladen, mit dem man sich über seine Arbeit und nicht zuletzt über ein von ihm mitgebrachtes Stück unterhält. Und weil das Boulanger Trio stets den Bogen von der Tradition in die Gegenwart schlagen will, lädt das Ensemble seinen Gast zudem ein, sich ein oder zwei Werke aus dem riesigen Klaviertrio-Repertoire auszusuchen. Auf Wunsch etwa des in Kuba geborenen Komponisten Jorge E. López, der in der April-„Boulangerie“ im Mittelpunkt stehen wird, stellt das Boulanger Trio dem López-Opus jeweils ein Klaviertrio von Haydn und Schostakowitsch zur Seite.

Auch über eine solche Konzertdramaturgie gelingt es dem Boulanger Trio, die berühmtberüchtigten Berührungsängste vor musikalisch scheinbar allzu Sperrigem abzubauen. „Wir hatten ein geselliges Konzertformat im Sinn, bei dem es gerade durch die persönliche Begegnung mit einem Komponisten auch zu einem lebendigen Austausch mit dem Publikum kommen soll“, so Cellistin Ilona Kindt. Vorbild für dieses Konzertformat war ein Musiksalon, den die berühmte Namenspatronin des Trios, die französische Komponistin und Lehrerin Nadia Boulanger, ab den 1920er Jahren in Paris jeden Mittwoch veranstaltete.

Schon längst zieht die „Boulangerie“ aber nicht nur in Hamburg und Berlin mittlerweile ein Stammpublikum an, sondern seit einiger Zeit auch im Wiener Musikverein. Und die Liste der eingeladenen Komponisten liest sich durchaus wie ein Who´s Who der Neuen Musik. So waren Toshio Hosokawa, Johannes Maria Staud, Kaija Saariaho sowie der österreichische Altmeister Friedrich Cerha bereits zu Gast.

Nun also trifft man auch in Wien (22. April) auf Jorge E. López, der einer der interessantesten Komponisten der Gegenwart ist. Die Werke des in Kalifornien ausgebildeten und seit 1991 in Oberkärnten lebenden Musikers werden auf großen Festivals wie den Donaueschinger Musiktagen und den Salzburger Festspielen aufgeführt und wurden vielfach ausgezeichnet. Und der das Boulanger Trio ungemein bewundernde Wolfgang Rihm meinte einmal über seinen Komponistenkollegen: „Wenn der Begriff des Originellen – ja sogar des Originals – noch etwas bedeutet, dann wird er von Jorge E. López verkörpert.“ Ein eigenes (Klang-)Bild kann man sich nun bei der kommenden „Boulangerie“ machen. Und wer nach dem Konzert vielleicht von den Musikerinnen und dem Komponisten noch Näheres erfahren will, der kann dies traditionell bei Baguette und einem Gläschen Wein tun.