WILLKOMMEN

Herzlich willkommen zur Boulangerie 2017!
Unsere Konzertreihe verbindet Konzert und Salon miteinander und baut eine Brücke zwischen dem traditionellen Kammermusikrepertoire und der Musik von heute. Jede Veranstaltung ist einem Komponisten der Gegenwart gewidmet, der während des Konzerts anwesend ist und mit uns über sein Schaffen spricht – im Zentrum steht dabei nicht die musikwissenschaftliche Analyse der Werke, sondern ein persönliches Gespräch über die Musik. Zum Ausklang des Abends gibt es Baguette und Wein und die Gelegenheit, mit uns Musikerinnen und unserem Gast ins Gespräch zu kommen.

 

In diesem Jahr haben wir wieder großartige Komponisten zu Gast, die alle eine ganz individuelle und unverkennbare Tonsprache gefunden haben. Gleich unsere erste Veranstaltung ist auch für uns eine Premiere: zum ersten Mal haben wir gleich zwei KomponistInnen gemeinsam eingeladen: Ulrich Kreppein und Charlotte Seither haben beide Werke geschrieben, für die Skulpturen als Inspiration Pate standen. Im Juni sind wir sehr glücklich die gefeierte Finnin Kaija Saariaho mit ihrem Werk Light and Matter in Hamburg begrüßen zu dürfen. In Berlin gibt es eine Hans Werner Henze gewidmete Veranstaltung. Als Gesprächsgast konnten wir seinen langjährigen Assistenten Dr. Michael Kerstan gewinnen.
In der zweiten Jahreshälfte ist – zum zweiten Mal in unserer Boulangerie – Toshio Hosokawa aus Japan zu Gast.

 

Wir hoffen, Sie bald in unserer Boulangerie begrüßen zu dürfen!

Karla, Birgit & Ilona

Boulanger Trio

DIE NÄCHSTEN VERANSTALTUNGEN

Donnerstag, 26. Oktober 2017, 19 Uhr

Hamburg, resonanzraum St. Pauli

Boulangerie mit Charlotte Bray

Ludwig van Beethoven, Triosatz B-Dur WoO 39
Charlotte Bray, Beyond for solo violin (2013)
Ludwig van Beethoven, op. 121a, Variationen über Wenzel Müllers Lied „ Ich bin der Schneider Kakadu”
Charlotte Bray, Those Secret Eyes (2014) for violin, cello and piano
Charlotte Bray, Perseus (2015) for cello and piano
Charlotte Bray, That Crazed Smile (2014) for violin, cello and piano
Boulanger Trio
Gast: Charlotte Bray

Charlotte Bray

Sonntag, 29. Oktober 2017, 19 Uhr

Berlin, Radialsystem V

Boulangerie mit Charlotte Bray

Ludwig van Beethoven, Triosatz B-Dur WoO 39
Charlotte Bray, Beyond for solo violin (2013)
Ludwig van Beethoven, op. 121a, Variationen über Wenzel Müllers Lied „ Ich bin der Schneider Kakadu”
Charlotte Bray, Those Secret Eyes (2014) for violin, cello and piano
Charlotte Bray, Perseus (2015) for cello and piano
Charlotte Bray, That Crazed Smile (2014) for violin, cello and piano
Boulanger Trio
Gast: Charlotte Bray

Charlotte Bray

Die junge britische Komponistin Charlotte Bray hat sich mit einer lebhaften, expressiven Tonsprache voller lyrischer Intensität als herausragendes Talent ihrer Generation eingeführt. Impulse für ihre kreative Arbeit zieht sie aus der Welt, die sie umgibt – Poesie, Bildende Kunst, Natur, menschliche Begegnungen und politische Ereignisse sind Inspiration und Stein des Anstoßes.

Charlotte Bray studierte bei Mark Anthony Turnage am Royal College of Music, nachdem sie am Birmingham College of Music, wo sie zunächst als Cellistin eingeschrieben war, Kompositionsunterricht bei Joe Cutler erhalten hatte. In Meisterkursen lernte sie ihr kompositorisches Handwerk zudem unter anderem bei Oliver Knussen, Magnus Lindberg und Augusta Read-Thomas.

Inzwischen arbeitet sie mit Klangkörpern wie dem London Symphony Orchestra, dem London Philharmonic Orchestra und der Birmingham Contemporary Music Group, mit Dirigenten wie Sir Mark Elder, Oliver Knussen und Daniel Harding sowie mit Musikern wie der Sopranistin Claire Booth, dem Bariton Roderick Williams und dem Violisten Lawrence Power zusammen. Ihre Werke wurden unter anderem bei den BBC Proms und bei den Festivals von Aldeburgh, Tanglewood, Aix-en-Provence und Verbier aufgeführt.

In der Saison 2015/16 brachte das BBC Symphony Orchestra gleich zwei neue Werke zur Uraufführung: Stone Dancer für Orchester unter der Leitung von Oliver Knussen beim Aldeburgh Festival, und Falling in the Fire für Cello und Orchester unter der Leitung von Sakari Oramo und mit Guy Johnston als Solist bei den BBC Proms. Falling in the Fire ist ihr erstes politisch motiviertes Werk, das seinen Ausgangspunkt in der Bombardierung und Zerstörung der antiken Tempel im syrischen Palmyra hat. Dabei war es der Komponistin wichtig, nicht eine moralische Anklage zu orchestrieren oder plakative Kriegsbilder in Musik zu setzen, sondern ihre persönliche Reaktion in ihrer eigenen Tonsprache auszudrücken.

In der Saison 2016/17 widmet sich Charlotte Bray wieder verstärkt kammermusikalischen Formen. Im Dezember erlebt das neue Oboenquartett Bluer than Midnight seine Uraufführung durch Winsor Music und im März 2017 wird ein neues Klavierquartett zum ersten Mal zu hören sein.

Charlotte Bray wurde mit zahlreichen Stipendien und Auszeichnungen geehrt und gefördert. Unter anderem erhielt den Royal Philharmonic Society Composition Prize (2010), den Lili Boulanger Memorial Fund Prize und den Critics’ Circle Award (beides 2014). Als Composer-in-Residence war sie bei der Birmingham Contemporary Music Group, beim Oxford Lieder Festival, beim Hatfield House Chamber Music Festival, in der MacDowell Colony, am Liguria Study Centre und bei Aldeburgh Music zu Gast. Im Wintersemester 2016/17 unterrichtet sie als Gastprofessorin an der Escola Superior de Musica de Catalunya in Barcelona. Eine Debüt-CD mit Musik von Charlotte Bray erschien 2014 unter dem Titel At the Speet of Stillness bei NMC records.

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Commissioned by the Oberon Trio, That Crazed Smile is inspired by Shakespeare’s A Midsummer Night’s Dream. The work is a Fantasy piece set within a dream-like world. Interestingly, in the play the fairies are a reality however, in contrast to Romeo and Juliet, for example, where it is believed (particularly by Mercutio) that fairies visit people’s dreams.

Set at night under the light of the moon, the piece moves through a dreamy section before reaching the gripping spellbound part of the piece, where it is as if the fairies are deviously casting spells onto the lovers in their dreams. Tightly controlled, the music continuously varies small motifs and melodies, spinning around on itself. The foolishness and self delusion of the lovers can be felt.

This work forms part of an ongoing cycle of Shakespeare-inspired works that the composer is writing for piano trio. The first piece composed, entitled Those Secret Eyes, is loosely inspired by Shakespeare’s Macbeth. The plays chosen to inspire the works link by theme: dream verses reality, and night and day- problems arise in the day and are relieved at night through dream. The pieces may be performed as a set or individually.

TICKETS HAMBURG
Tickets Berlin

Dienstag, 5. Dezember 2017, 19 Uhr

Hamburg, resonanzraum St. Pauli

Boulangerie mit Toshio Hosokawa

Toshio Hosokawa, Small Chant (2012) für Violoncello
Camille Saint-Saëns, Trio e-Moll op. 92
Toshio Hosokawa, Klavier-Trio (2013)
Boulanger Trio
Gast: Toshio Hosokawa

Toshio Hosokawa

Mittwoch, 6. Dezember 2017, 19 Uhr

Berlin, Radialsystem V

Boulangerie mit Toshio Hosokawa

Toshio Hosokawa, Small Chant (2012) für Violoncello
Camille Saint-Saëns, Trio e-Moll op. 92
Toshio Hosokawa, Klavier-Trio (2013)
Boulanger Trio
Gast: Toshio Hosokawa

TICKETS HAMBURG
Tickets Berlin

Sonntag, 13. Mai 2018, 17 Uhr

Fulda

Boulangerie mit Pēteris Vasks

Pēteris Vasks, Episodi e canto perpetuo
Olivier Messiaen, Quatuor pour la fin du temps
Gäste: Pēteris Vasks, Sebastian Manz (Klarinette)


veranstaltet von der Stadt Fulda

Peteris Vasks

Freitag, 8. Juni 2018, 20 Uhr
Donaueschingen

Boulangerie mit David Philip Hefti

Franz Schubert, Adagio Es-Dur „Notturno“
David Philip Hefti, Lichter Hall (2012)
David Philip Hefti, Poème noctambule (2016)
Arnold Schönberg, Verklärte Nacht op.4 (Bearb. Eduard Steuermann)
Gast: David Philip Hefti

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Wir danken unseren Förderern:

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Kulturbehoerde
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Medienpartner:

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Reminder Boulangerie:

zum Anmeldeformular

Orte:

RADIALSYSTEM-V_Logo-300x49

Holzmarktstr. 33
10243 Berlin
Karten: 18€, ermäßigt 11€ (inklusive Buffet)
Ticket-Hotline 030 – 288 788 588
Kartenverkauf online: www.radialsystem.de oder www.reservix.de

resonanzraum 300x90

Feldstraße 66
20359 Hamburg
Karten 18€, ermäßigt 11€ (inklusive Buffet)
Kartenverkauf online: www.boulangerie.tickets.de

Hamburger Abendblatt, 11/2016

Boulanger Trio: Bei Wein und Käse Musik entdecken

Ein Artikel von Verena Fischer-Zernin

Hamburg. Liefe die Veranstaltung im Fernsehen, dann hieße sie womöglich “Das kompositorische Quartett”: Drei Musikerinnen sitzen mit einem Gast in einer Runde und unterhalten sich mit ihm eloquent und charmant über ihn und sein Werk. Zwischendurch spielen sie.

Dies ist aber keine neue Talkshow. Dies ist die “Boulangerie”, wie die drei Damen vom Boulanger Trio ihren Salon nennen. Die Werkauswahl trifft der eingeladene Komponist, es erklingen jeweils Werke aus seiner Feder und solche aus dem angestammten Repertoire für Klaviertrio. Am Schluss bitten die Künstlerinnen die Anwesenden zu Wein und Käse.

“Unser Konzept ist, dass die Leute mit uns den Komponisten kennenlernen, den Menschen, der hinter der Musik steht. Der interessiert uns ja genauso”, sagt die Geigerin des Trios, Birgit Erz, über die “Boulangerie”. “Wenn man den Menschen kennt, ist die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, viel größer.”

Erz und ihre Mitstreiterinnen Karla Haltenwanger (Klavier) und Ilona Kindt (Cello), jede für sich eine ausgezeichnete Interpretin, haben einzeln und gemeinsam zahlreiche Preise nach Hause getragen – wo übrigens auf jede von ihnen zwei Kinder warten; gute Organisation und ein belastbares Netzwerk brauche es schon, sagt Erz. Zu hören ist es bei ihren Konzerten nie, wie anstrengend der Spagat zwischen Kunst und Familie sein kann. Wolfgang Rihm (das ist der, der zur Eröffnung der Elbphilharmonie das Auftragswerk “Reminiszenz” beisteuert) bedankte sich nach einem Konzert: “So interpretiert zu werden ist wohl für jeden Komponisten ein Wunschtraum.” Und ein begeisterter Kritiker hat die drei gar schon als Erbinnen des weltberühmten Beaux Arts Trios ausgerufen.

Anders als beim Beaux Arts Trio gehört für sie allerdings die Beschäftigung mit Neuer Musik zum Kern ihres künstlerischen Profils. Mit dem Ensemblenamen ehren die Musikerinnen die französischen Schwestern Nadia und Lili Boulanger. Beide waren Komponistinnen. Lili starb schon 1918 mit 24 Jahren und hinterließ ein schmales, aber wegweisendes Œuvre. Nadia wiederum hat die zeitgenössische Musik bis zu ihrem Tod 1979 über Jahrzehnte mitgeprägt, zu ihren Schülern gehörten Astor Piazzolla, Philip Glass und auch Daniel Barenboim. Jeden Mittwoch gab sie Theoriestunden in ihrer Pariser Wohnung. Da kamen nicht nur ihre Studenten, sondern auch andere Künstler, und hinterher gab es Tee und Gebäck. Die Studenten nannten diese Institution so liebevoll wie beziehungsreich “Boulangerie” (das französische Wort für “Bäckerei”).

Den Rang des Boulanger Trios zeigt auch die Riege bedeutender Komponisten, die die Einladung zur “Boulangerie” angenommen haben. Toshio Hosokawa war da, ein führender Vertreter der zeitgenössischen japanischen Musik, dessen Oper “Stilles Meer” Anfang des Jahres an der Staatsoper uraufgeführt wurde. Der Doyen der Neuen Musik in Österreich, Friedrich Cerha, hat mit ihnen vor Publikum geplaudert, und im Juni kommt die gefeierte Finnin Kaija Saariaho.

Seit 2012 leisten die drei sich die “Boulangerie” in Hamburg und im Berliner Radialsystem. Inzwischen haben sie die Reihe, dank der Hilfe der Alban Berg Stiftung, sogar in den Wiener Musikverein exportieren können. Und seit die drei von der etwas abseits gelegenen Kulturfabrik Kampnagel in den Resonanzraum umgezogen sind, entwickeln sich die Besucherzahlen prächtig.

“Der Raum ist perfekt für uns, auch mit der Bar”, sagt Birgit Erz. “Der klingt toll, ist sehr flexibel und hat eine tolle Atmosphäre.” Über einen Umzug in die Elbphilharmonie nachzudenken sieht sie zurzeit keinen Grund. “Wir wollen ja mit dem Publikum gemeinsam etwas entdecken. Für uns funktioniert das besser in einer intimen Atmosphäre”, sagt Erz. “Da kommen Leute, die noch nie mit Neuer Musik in Berührung waren, und die finden das alle spannend.” Man findet aber auch nicht jeden Tag ein Ensemble dieses Niveaus, das dem Publikum Neue Musik so unangestrengt wie kenntnisreich nahebringt und es teilhaben lässt an dem knisternd intensiven Kontakt, der beim Musizieren entsteht.

Kammer-Musik eben. Selten wird das Wesen des Genres so fassbar.