WILLKOMMEN

Herzlich willkommen zur Boulangerie 2017!
Unsere Konzertreihe verbindet Konzert und Salon miteinander und baut eine Brücke zwischen dem traditionellen Kammermusikrepertoire und der Musik von heute. Jede Veranstaltung ist einem Komponisten der Gegenwart gewidmet, der während des Konzerts anwesend ist und mit uns über sein Schaffen spricht – im Zentrum steht dabei nicht die musikwissenschaftliche Analyse der Werke, sondern ein persönliches Gespräch über die Musik. Zum Ausklang des Abends gibt es Baguette und Wein und die Gelegenheit, mit uns Musikerinnen und unserem Gast ins Gespräch zu kommen.

 

In diesem Jahr haben wir wieder großartige Komponisten zu Gast, die alle eine ganz individuelle und unverkennbare Tonsprache gefunden haben. Gleich unsere erste Veranstaltung ist auch für uns eine Premiere: zum ersten Mal haben wir gleich zwei KomponistInnen gemeinsam eingeladen: Ulrich Kreppein und Charlotte Seither haben beide Werke geschrieben, für die Skulpturen als Inspiration Pate standen. Im Juni sind wir sehr glücklich die gefeierte Finnin Kaija Saariaho mit ihrem Werk Light and Matter in Hamburg begrüßen zu dürfen. In Berlin gibt es eine Hans Werner Henze gewidmete Veranstaltung. Als Gesprächsgast konnten wir seinen langjährigen Assistenten Dr. Michael Kerstan gewinnen.
In der zweiten Jahreshälfte ist – zum zweiten Mal in unserer Boulangerie – Toshio Hosokawa aus Japan zu Gast.

 

Wir hoffen, Sie bald in unserer Boulangerie begrüßen zu dürfen!

Karla, Birgit & Ilona

Boulanger Trio

DIE NÄCHSTEN VERANSTALTUNGEN

Donnerstag, 26. Oktober 2017, 19 Uhr

Hamburg, resonanzraum St. Pauli

Boulangerie mit Charlotte Bray

Ludwig van Beethoven, Triosatz B-Dur WoO 39
Charlotte Bray, Beyond for solo violin (2013)
Ludwig van Beethoven, op. 121a, Variationen über Wenzel Müllers Lied „ Ich bin der Schneider Kakadu”
Charlotte Bray, Those Secret Eyes (2014) for violin, cello and piano
Charlotte Bray, Perseus (2015) for cello and piano
Charlotte Bray, That Crazed Smile (2014) for violin, cello and piano
Boulanger Trio
Gast: Charlotte Bray

Charlotte Bray

Sonntag, 29. Oktober 2017, 19 Uhr

Berlin, Radialsystem V

Boulangerie mit Charlotte Bray

Ludwig van Beethoven, Triosatz B-Dur WoO 39
Charlotte Bray, Beyond for solo violin (2013)
Ludwig van Beethoven, op. 121a, Variationen über Wenzel Müllers Lied „ Ich bin der Schneider Kakadu”
Charlotte Bray, Those Secret Eyes (2014) for violin, cello and piano
Charlotte Bray, Perseus (2015) for cello and piano
Charlotte Bray, That Crazed Smile (2014) for violin, cello and piano
Boulanger Trio
Gast: Charlotte Bray

Charlotte Bray

Die junge britische Komponistin Charlotte Bray hat sich mit einer lebhaften, expressiven Tonsprache voller lyrischer Intensität als herausragendes Talent ihrer Generation eingeführt. Impulse für ihre kreative Arbeit zieht sie aus der Welt, die sie umgibt – Poesie, Bildende Kunst, Natur, menschliche Begegnungen und politische Ereignisse sind Inspiration und Stein des Anstoßes.

Charlotte Bray studierte bei Mark Anthony Turnage am Royal College of Music, nachdem sie am Birmingham College of Music, wo sie zunächst als Cellistin eingeschrieben war, Kompositionsunterricht bei Joe Cutler erhalten hatte. In Meisterkursen lernte sie ihr kompositorisches Handwerk zudem unter anderem bei Oliver Knussen, Magnus Lindberg und Augusta Read-Thomas.

Inzwischen arbeitet sie mit Klangkörpern wie dem London Symphony Orchestra, dem London Philharmonic Orchestra und der Birmingham Contemporary Music Group, mit Dirigenten wie Sir Mark Elder, Oliver Knussen und Daniel Harding sowie mit Musikern wie der Sopranistin Claire Booth, dem Bariton Roderick Williams und dem Violisten Lawrence Power zusammen. Ihre Werke wurden unter anderem bei den BBC Proms und bei den Festivals von Aldeburgh, Tanglewood, Aix-en-Provence und Verbier aufgeführt.

In der Saison 2015/16 brachte das BBC Symphony Orchestra gleich zwei neue Werke zur Uraufführung: Stone Dancer für Orchester unter der Leitung von Oliver Knussen beim Aldeburgh Festival, und Falling in the Fire für Cello und Orchester unter der Leitung von Sakari Oramo und mit Guy Johnston als Solist bei den BBC Proms. Falling in the Fire ist ihr erstes politisch motiviertes Werk, das seinen Ausgangspunkt in der Bombardierung und Zerstörung der antiken Tempel im syrischen Palmyra hat. Dabei war es der Komponistin wichtig, nicht eine moralische Anklage zu orchestrieren oder plakative Kriegsbilder in Musik zu setzen, sondern ihre persönliche Reaktion in ihrer eigenen Tonsprache auszudrücken.

In der Saison 2016/17 widmet sich Charlotte Bray wieder verstärkt kammermusikalischen Formen. Im Dezember erlebt das neue Oboenquartett Bluer than Midnight seine Uraufführung durch Winsor Music und im März 2017 wird ein neues Klavierquartett zum ersten Mal zu hören sein.

Charlotte Bray wurde mit zahlreichen Stipendien und Auszeichnungen geehrt und gefördert. Unter anderem erhielt den Royal Philharmonic Society Composition Prize (2010), den Lili Boulanger Memorial Fund Prize und den Critics’ Circle Award (beides 2014). Als Composer-in-Residence war sie bei der Birmingham Contemporary Music Group, beim Oxford Lieder Festival, beim Hatfield House Chamber Music Festival, in der MacDowell Colony, am Liguria Study Centre und bei Aldeburgh Music zu Gast. Im Wintersemester 2016/17 unterrichtet sie als Gastprofessorin an der Escola Superior de Musica de Catalunya in Barcelona. Eine Debüt-CD mit Musik von Charlotte Bray erschien 2014 unter dem Titel At the Speet of Stillness bei NMC records.

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Commissioned by the Oberon Trio, That Crazed Smile is inspired by Shakespeare’s A Midsummer Night’s Dream. The work is a Fantasy piece set within a dream-like world. Interestingly, in the play the fairies are a reality however, in contrast to Romeo and Juliet, for example, where it is believed (particularly by Mercutio) that fairies visit people’s dreams.

Set at night under the light of the moon, the piece moves through a dreamy section before reaching the gripping spellbound part of the piece, where it is as if the fairies are deviously casting spells onto the lovers in their dreams. Tightly controlled, the music continuously varies small motifs and melodies, spinning around on itself. The foolishness and self delusion of the lovers can be felt.

This work forms part of an ongoing cycle of Shakespeare-inspired works that the composer is writing for piano trio. The first piece composed, entitled Those Secret Eyes, is loosely inspired by Shakespeare’s Macbeth. The plays chosen to inspire the works link by theme: dream verses reality, and night and day- problems arise in the day and are relieved at night through dream. The pieces may be performed as a set or individually.

TICKETS HAMBURG
Tickets Berlin

Dienstag, 5. Dezember 2017, 19 Uhr

Hamburg, resonanzraum St. Pauli

Boulangerie mit Toshio Hosokawa

Toshio Hosokawa, Small Chant (2012) für Violoncello
Camille Saint-Saëns, Trio e-Moll op. 92
Toshio Hosokawa, Trio (2013)
Boulanger Trio
Gast: Toshio Hosokawa

Toshio Hosokawa

Mittwoch, 6. Dezember 2017, 20 Uhr

Berlin, Radialsystem V

Boulangerie mit Toshio Hosokawa

Toshio Hosokawa, Small Chant (2012) für Violoncello
Camille Saint-Saëns, Trio e-Moll op. 92
Toshio Hosokawa, Trio (2013)
Boulanger Trio
Gast: Toshio Hosokawa

Toshio Hosokawa

“Ich suche nach einer neuen Form spiritueller Kultur und Musik des japanischen Volkes, mit der ich sowohl mir selbst als auch meiner Herkunft treu bleibe. Wir müssen den Westen noch einmal und gründlicher studieren, um unsere Sicht auf uns zu objektivieren und uns selbst wirklich kennen zu lernen.”

Toshio Hosokawa, der bekannteste lebende japanische Komponist, schöpft seine unverwechselbare Musiksprache aus dem Spannungsverhältnis zwischen westlicher Avantgarde und traditioneller japanischer Kultur. In tiefer Verbundenheit mit den ästhetischen und spirituellen Wurzeln der japanischen Künste wie der Kalligraphie und der japanischen Hofmusik, dem Gagaku, gibt er der Vorstellung einer aus der Vergänglichkeit erwachsenden Schönheit Ausdruck: „Wir hören die einzelnen Töne und nehmen zugleich mit Wertschätzung den Prozess wahr, wie sie geboren werden und vergehen, sozusagen eine tönend in sich belebte Landschaft des Werdens.“

1955 in Hiroshima geboren, kam Hosokawa 1976 nach Deutschland, wo er bei Isang Yun und Klaus Huber Komposition studierte. Während seine Kompositionen sich zunächst an der westlichen Avantgarde orientierte, erschloss er sich nach und nach eine neue musikalische Welt zwischen Ost und West, mit der er spätestens ab dem Erfolg seines 2001 uraufgeführten Oratoriums Voiceless Voice in Hiroshima die großen Konzertsäle eroberte.

Toshio Hosokawa schrieb in den letzten Jahren zahlreiche Orchesterwerke, darunter Nach dem Sturm für zwei Soprane und Orchester anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Tokyo Metropolitan Symphony Orchestra sowie das im Rahmen der Roche Commissions beauftragte Woven Dreams (Cleveland Orchestra unter Franz Welser-Möst, Lucerne Festival 2010). Circulating Ocean, 2005 bei den Salzburger Festspielen durch die Wiener Philharmoniker uraufgeführt, gehört inzwischen zum festen Repertoire vieler Orchester. 2013 war Toshio Hosokawa mit der Uraufführung von Klage für Sopran und Orchester nach einem Text von Georg Trakl (NHK Symphony Orchestra unter Charles Dutoit, Sopran: Anna Prohaska) erneut in Salzburg zu Gast. Das in der letzten Saison von Christian Schmitt und den Bamberger Symphonikern unter der Leitung von Jakub Hrůša uraufgeführte Orgelkonzert Umarmung wird im Februar im Wiener Konzerthaus mit dem ORF-Radio-Symphonieorchester Wien unter Leitung von Cornelius Meister erneut zu hören sein.

Bereits im Dezember bringt das Ensemble Intercontemporain ein neues Melodram mit der Sopranistin Kerstin Avemo und der Nô-Schauspielerin Ryoko Aoki zur Uraufführung. Das Libretto schuf Oriza Hirata basierend auf einem traditionellen Stoff des Nô-Theater. Der Dramatiker hatte schon das Libretto zu Toshio Hosokawas Oper Stilles Meer verfasst, in der die Atomkatastrophe von Fukushima indirekt thematisiert wird. Das an der Hamburgischen Staatsoper 2016 uraufgeführte Werk wird dort in dieser Saison wieder aufgenommen. Eine weitere neue Oper wird zum Ende der laufenden Saison an der Stuttgarter Oper zur Uraufführung kommen. Toshio Hosokawa setzt sich in diesem Werk mit Heinrich von Kleists Erdbeben von Chili auseinander.

Viele der früheren Musiktheaterwerke von Toshio Hosokawa gehören inzwischen zum Repertoire großer Opernhäuser. Auf seine 1998 bei der Münchener Biennale mit großem Lob aufgenommene erste Oper Vision of Lear folgte 2004 mit Hanjo ein Werk, das, inszeniert von der Choreographin Anna Teresa de Keersmaeker, als Ko-Auftrag des Brüsseler Opernhauses La Monnaie und des Festivals von Aix-en-Provence entstand und inzwischen auf zahlreichen Bühnen zu sehen war. Die ebenso wie Hanjo auf einem Stoff des japanischen Nô-Theaters beruhende Oper Matsukaze war erstmals 2011 in der Inszenierung der Choreographin Sasha Waltz am Opernhaus La Monnaie in Brüssel zu erleben und wurde vielfach wieder aufgeführt. Auch das Monodram The Raven für Mezzosopran und Ensemble, 2012 in Brüssel uraufgeführt, kam inzwischen in szenischen Aufführungen auf die Bühne.

Toshio Hosokawa schreibt immer wieder Werke, die sich auf Naturthemen beziehen, wie das Hornkonzert Moment of Blossoming für Stefan Dohr und die Berliner Philharmoniker (2011). Seit 2003 komponiert er zudem in loser Folge Voyages für Soloinstrument und Ensemble. In einigen Werken dieser Reihe kombiniert er japanische Instrumente mit westlichen Instrumenten, so in Voyages XNozarashi für Shakuhachi und Ensemble. Auch andere traditionelle japanische Instrumente wie Shộ oder Koto setzt er in seinem ca. 130 Werke umfassenden Oeuvre mehrfach ein.

Toshio Hosokawa ist Träger zahlreicher Auszeichnungen und Preise. Seit 2001 ist er Mitglied der Akademie der Künste Berlin, 2006/07 und 2008/09 war er Fellow des Berliner Wissenschaftskollegs. 2013/14 wirkte er als composer in residence beim Netherlands Philharmonic Orchestra. Er ist künstlerischer Leiter des Takefu International Music Festivals und Artistic Director des Suntory Hall International Program for Music Composition.

Saison 2017/2018

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Trio for violon, violoncello and piano

In diesem Stück beschäftige ich mich mit der Welt der Schamanen, die mich seit kurzem interessiert. Schamanen finden Wege, unsere Welt mit dem Jenseitigen zu verbinden. In meinem Trio repräsentiert die Geige das weibliche und das Violoncello das männliche Prinzip. Der Zwiegesang beider Instrumente gleicht dem Gesang zweier Schamanen. Das Klavier steht für den Kosmos und die Natur. Violine und Klavier harmonisieren nach den Regeln von „Yin und Yang”, dem Schöpfungsprinzip des taoistischen Kosmos: Gegensätze, die sich ergänzen, ohne sich aufzuheben und dadurch vollkommene Harmonie schaffen.
Toshio Hosokawa

TICKETS HAMBURG
Tickets Berlin

Sonntag, 28. Januar 2018, 20 Uhr
Wien, Musikverein

Boulangerie mit Beat Furrer

Beat Furrer, Studie für Klavier (2011)
Franz Schubert, Trio Es-Dur D 929
Beat Furrer, Lied für Violine und Klavier (1993)
Beat Furrer, Retour an Dich für Violine, Violoncello und Klavier (1984)
Boulanger Trio
Gast: Beat Furrer
veranstaltet von der Alban Berg Stiftung

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Freitag, 16. Februar 2018, 19 Uhr
Berlin, Radialsystem V

Boulangerie mit Beat Furrer

Beat Furrer, Studie für Klavier (2011)
Franz Schubert, Trio Es-Dur D 929
Beat Furrer, Lied für Violine und Klavier (1993)
Beat Furrer, Retour an Dich für Violine, Violoncello und Klavier (1984)
Boulanger Trio
Gast: Beat Furrer

Beat Furrer

Beat Furrer wurde 1954 in Schaffhausen in der Schweiz geboren; er lebt seit 1975 in Wien. Österreich ist seine musikalische Heimat geworden – wie man auf Englisch so schön sagt, er ist ein „naturalisierter“ Österreicher.
Er studierte Komposition bei Roman Haubenstock-Ramati. Es entwickelte sich über die Jahre eine Freundschaft zwischen den beiden, zwei unterschiedlichen Generationen zugehörigen Künstlern. Furrer belegte auch Dirigierkurse bei Otmar Suitner und hat eine erfolgreiche Dirigentenlaufbahn eingeschlagen, mit Schwerpunkt zeitgenössische Musik. Er hat sich unter anderem für das Schaffen Haubenstock-Ramatis eingesetzt und leitete 1992 die Uraufführung der revidierten Fassung von dessen Oper Amerika.

1985 gründete Furrer das Ensemble Klangforum Wien, dem er als künstlerischer Leiter und Dirigent jahrelang vorstand. Er und seine Nachfolger haben Klangforum zu einer der weltweit besten Interpretengruppen neuer Musik entwickelt.

Zwischen Anfang der 1980er Jahre und 1995 wurden Beat Furrers Kompositionen von der Universal Edition betreut: zwei seiner Opern (Die Blinden, 1989 und Narcissus, 1994), Orchesterwerke (Chiaroscuro, 1983/1986), Risonanze, 1988, Face de la chaleur, 1991, Madrigal, 1992 und andere), Stücke für Ensemble (A un moment de terre perdu, 1990, Narcissus-Fragment, 1993, Nuun, 1995/1996, etc.), Kammermusik (zwei Streichquartette, ein Klaviertrio, ein Klarinettentrio, u. a.) sowie Werke für Klavier und Violoncello solo. Es ist sein Frau Nachtigall für Violoncello aus dem Jahre 1982, das als Erstes der Liste seiner Kompositionen vorsteht; es war auch das erste Werk, das er der UE anvertraute.

Komponieren war für Furrer immer ein Kampf mit dem Material und er ist selten mit der fertig gestellten Partitur zufrieden: Sie stellt oft die erste Fassung von mehreren Revisionen dar.

Die Musik, die er in den 80er und 90er Jahren schrieb, war meistens fragil, die Dynamik eher im Pianobereich gehalten, der Klang immer wieder durch über die traditionellen hinausgehenden Spieltechniken bestimmt. Dramatische Momente fehlten aber nicht von seiner Ausdruckspalette: das 1. Streichquartett (1984) weist eine unerwartete, aggressive Eruption auf, im Ensemblestück In der Stille des Hauses wohnt ein Ton (1987) werden die Streichertremoli und die Flatterzungentöne unversehens durch einen infernalischen Sturm unterbrochen.

Furrers Musik deutet an, statt sich an klare Aussagen heranzuwagen. Er vertont Texte nicht unbedingt um Inhalte mitzuteilen – in seinem Narcissus-Fragment etwa geben die beiden Solisten Silben von sich statt vollständigen Wörtern, als ob in einem verzweifelten und am Ende zum Scheitern verurteilten Versuch zu kommunizieren.

Man könnte Furrers Kompositionen als „Konzeptmusik“ beschreiben: jedes neue Werk basiert auf ein neues Konzept. Für den Komponisten zählt die Suche nach neuen und flexiblen Systemen. Er sagt:

„Für jedes Stück möchte ich das Material und die Beziehungen der Intervalle aufeinander wieder neu kreieren. Das Komponieren würde mich nicht mehr interessieren, wenn ich das Gefühl hätte, ich würde ein schon erprobtes Konzept reproduzieren und nicht einen Schritt weiter gehen. Sicherlich hängen einige Stücke sehr deutlich zusammen, indem die gleichen Gedanken fortgeführt werden, doch erscheinen sie stets in einem ganz neuen Licht.“

Furrer hält jedoch nie rigide an einem Konzept fest, auf das er ein neues Stück zu basieren im Begriff ist: „Ein im Voraus entworfenes Konzept führt in jeder der verschiedenen Phasen einer Komposition zu immer neuen Reibungen mit dieser. Daher lote ich das Verhältnis von formalen Konzepten zum subjektiven Ausdrucksbedürfnis ständig aus, um das Konzept zu ändern oder sogar zu brechen. Ich folge ihm also nicht sklavisch, sondern behalte mir in jedem Moment die Freiheit einer Entscheidung vor. Somit werden die Brüche eines Konzeptes fast wichtiger als das Konzept selbst, da mich diese womöglich in eine Region entführen, in die ich sonst nicht gekommen wäre.“

Die bildenden Künste stellen bei Furrer, ähnlich wie bei zahlreichen seiner Kollegen, eine Inspirationsquelle dar. Nuun zum Beispiel, für zwei Klaviere und Ensemble, entstand unter dem befruchtenden Eindruck der monochromen Bilder Yves Kleins. Der Reichtum der Details dieser Bilder lässt sich bei der ersten Begegnung nicht erahnen, genauso wie beim Nuun, wo die recht vielen klanglichen Ereignissen beim ersten Hören die Wahrnehmung der Bewegungen in der Musik erschweren, sowie deren Strukturen. Im Verlauf der Musik werden die Schichten nacheinander entfernt, wobei deren Energie im Hintergrund bestehen bleibt, bereit, in jedem Augenblick wieder auf die Oberfläche zu gelangen. Für Furrer stellt seine Arbeit als Komponist teilweise die Realisierung unterschiedlicher Energieschichten dar.

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Werkeinführung

Kein Programm – es sei vorweg genommen: die Überschrift ist nach der Komposition entstanden. – Ich spreche nicht von mir – nicht von dir, schon längst aus den Augen verloren – von der Stunde unserer geheimnisvollen Begegnung spreche ich – von jenen wie Perlen glitzernden Glasscherben am Grunde des Flusses spreche ich, die immer wieder unsere Sehnsucht wecken, die zu heben wir immer wieder aufs neue hinabsteigen, um sie, an der Oberfläche betrachtet, als bloße Glasscherben zu erkennen. – Ich spreche vom Weg zu dir, Fata Morgana, der sich verengenden Spirale, die mich von dir entfernt, unendlich kreisend um ein imaginäres Zentrum.

Das Bild der Spirale meint einen Zustand der Schwerelosigkeit, erzeugt durch die Balance von Ähnlichem und Neuem – statischen und dynamisch-zielgerichteten Modellen.

I. Zögerndes, schritt weises Ertasten des kontinuierlich sich entwickelnden harmonischen Raumes. Die Dreiteiligkeit der Form ergibt sich aus dem Bruch der Kontinuität I – III.

II. Polarisiert plötzlich die klangliche und metrische Vielschichtigkeit.

III. Fortgeschrittenes Stadium von I – einzelne Stimmen gewinnen Raum – streben auseinander ohne jemals gänzlich ihre Berührungspunkte zu verlieren.
Beat Furrer

Dies ist asketische, introvertierte Musik. Statt sich zu öffnen, zu entfalten, lassen sich die Fragmente, die sie ausmachen, den Hörer erahnen, welche Gedanken und Gefühle sie in sich bergen. Wenn sie kalt wirkt – bis auf manche sanfte, lyrisch anmutende Abschnitte – so hat das wohl mit dem Bild zu tun, das Beat Furrer bei der Komposition vorschwebte: „von jenen wie Perlen glitzernden Glasscherben am Grunde des Flusses spreche ich, die immer wieder unsere Sehnsucht wecken, die zu heben wir immer wieder aufs Neue hinabsteigen, um sie, an der Oberfläche betrachtet, als bloße Glasscherben zu erkennen.”
Bálint Varga

Tickets Berlin

Sonntag, 22. April 2018, 20 Uhr
Wien, Musikverein

Boulangerie mit Jorge E. López

Joseph Haydn, Trio Es-Dur Hob XV:29
Jorge E. López, Trio op. 22
Dmitri Schostakowitsch, Trio e-Moll op. 67
Boulanger Trio
Gast: Jorge E. López
veranstaltet von der Alban Berg Stiftung

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Donnerstag, 26. April 2018, 19 Uhr
Berlin, Konzerthaus

Boulangerie mit Jorge E. López

Joseph Haydn, Trio Es-Dur Hob XV:29
Jorge E. López, Trio op. 22
Dmitri Schostakowitsch, Trio e-Moll op. 67
Boulanger Trio
Gast: Jorge E. López

Jorge E. López

Jorge E. López wird am 30. November 1955 in Havanna [Kuba] geboren, 1960 folgt die Auswanderung in die USA; López wächst in New York City und Chicago auf. Erste Kompositionsversuche sind seit 1970 zu verzeichnen, angeregt durch die Musik von Charles Ives, Gustav Mahler, Alban Berg, Olivier Messiaen, Karlheinz Stockhausen und Iannis Xenakis. López studiert Komposition bei Leonard Stein und Morton Subotnick, Musik am California Institute of Arts. Danach vernichtet López fast alle frühen Arbeiten. Als Komponist ist Jorge E. López im wesentlichen Autodidakt. 1976 hält sich López als Fabrikarbeiter in Chicago auf, danach in den Bundesstaaten Idaho und Arizona. Im Frühjahr 1977 zieht er nach Portland [Oregon] um. Dort entstehen Film- und Videoarbeiten. Er unternimmt zahlreiche Reisen durch den amerikanischen und kanadischen Westen (Zeltwanderung, Bergsteigen, Motorradtouren). Im November 1979 folgt ein weiterer Umzug nach Seattle (Washington), wo López neben diversen Tätigkeiten ein wissenschaftliches Studium beginnt. Etwa 1982 nimmt López das Komponieren wieder auf. Im Frühjahr 1983 zieht er nach Methow Valley im Norden des Bundesstaates Washington; er ist in der Forst- und Landwirtschaft tätig und beschäftigt sich intensiv mit der Umweltpolitik. Ab 1987 folgen längere Aufenthalte in Deutschland, 1990 schließlich der Umzug nach Europa. 1991 verbringt er den Sommer im lappländischen Gebirge und auf Island, seit 1991 wohnt er im Mölltal in Oberkärnten (Österreich}. 1992 verbringt er erneut den Sommer auf Island. In den Jahren 2000/2001 ist López Gastkünstler (Bild- und Klanggestaltung) beim ZKM in Karlsruhe. López’ Orchester- und Kammerensemblewerke werden bei namhaften Festivals für neue Musik in Europa aufgeführt, u. a. bei den Donaueschinger Musiktagen, bei Wien modern, Frankfurt Feste und den Salzburger Festspielen. López erhielt Förderungen durch die Akademie der Künste Berlin, die Ernst-von-Siemens-Stiftung in München, die Paul-Sacher-Stiftung in Basel, die Heinrich-Strobel-Stiftung des Südwestrundfunks, außerdem erhielt er zweimal ein österreichisches Staatsstipendium.

Sonntag, 13. Mai 2018, 17 Uhr

Fulda

Boulangerie mit Pēteris Vasks

Pēteris Vasks, Episodi e canto perpetuo (1985)
Olivier Messiaen, Quatuor pour la fin du temps
Boulanger Trio
Gäste: Pēteris Vasks, Sebastian Manz (Klarinette)
veranstaltet von der Stadt Fulda

Peteris Vasks
Pēteris Vasks

Die meisten Menschen haben heute keinen Glauben, keine Liebe und keine Ideale mehr. Die geistige Dimension geht verloren. Ich will der Seele Nahrung geben. Das predige ich in meinen Werken. (Pēteris Vasks)

Pēteris Vasks wurde am 16. April 1946 im lettischen Aizpute geboren. Als Sohn eines in Lettland bekannten baptistischen Pastors erhielt Vasks zunächst Musikunterricht an der örtlichen Musikschule in Aizpute. Erste Kompositionen folgten sowie eine Ausbildung als Kontrabassist an der Emīls Dārziņš-Musikschule in Riga (1959-64). Bis 1970 besuchte Vasks die Kontrabassklasse von Vytautas Sereika am Litauischen Konservatorium in Vilnius und leistete anschließend seinen einjährigen Militärdienst in der Sowjetischen Armee. Bereits ab 1961 war er Mitglied verschiedener Sinfonie- und Kammerorchester: beim Philharmonischen Orchester von Litauen (1966 bis 1969), beim Philharmonischen Kammerorchester von Lettland (1969 bis 1970) und beim Lettischen Rundfunk- und Fernsehorchester (1971 bis 1974). Darüber hinaus studierte Vasks von 1973 bis 1978 bei Valentin Utkin Komposition an der lettischen Musikakademie in Riga. In den Folgejahren arbeitete er als Musiklehrer in Salacgrīva, Zvejniekciems und Jelgava, seit 1989 unterrichtet er Komposition an der Emīls Dārziņš-Musikschule in Riga.

Während Vasks zur Sowjetzeit auf Grund seines Glaubens und seiner künstlerischen Überzeugungen den Repressalien der russischen Kulturdoktrin ausgesetzt war, haben die Werke des lettischen Komponisten in den vergangenen Jahren große Anerkennung gefunden. Eine zentrale Rolle in Vasks Schaffen spielt die Chormusik. Seine Instrumentalwerke werden weltweit von namhaften Künstlern aufgeführt und sehr häufig vertanzt.
Vasks’ Kompositionen greifen archaisch-folkloristische Elemente der lettischen Musik auf und setzen sie in eine spannungsreiche Beziehung zur zeitgenössischen Musiksprache. Oft tragen die Werke programmatische Titel, die sich auf Naturvorgänge beziehen. Dabei geht es Vasks nicht um rein poetische Lobpreisung der Natur oder eine plakative Landschaftsmalerei. Die vielschichtigen Wechselwirkungen zwischen Natur und Mensch, die Schönheit des Lebens einerseits, aber auch die drohende ökologische und moralische Zerstörung der Welt sind die Themen, die Vasks in seinen Werken mit musikalischen Mitteln aufgreift. Vielfach zeigen sich Bezüge zur eigenen Biographie und der jüngsten leidvollen Geschichte des lettischen Volkes. Bereits als Zehnjähriger schrieb Vasks ein freiheitskämpferisches Chorlied als Reaktion auf die Leiden der Menschen, die über Nacht aus ihren Häusern vertrieben und in Straflager verschleppt wurden.
Die 1977 entstandene Musik für wegziehende Vögel für Bläserquintett versteht sich als sehnsuchtsvolle Hoffnung auf eine von den Besatzern bis dato nicht gewehrte Reisefreiheit, während die Musica dolorosa für Streicher aus dem Jahr 1983 eine sehr persönliche Totenklage auf den Verlust der eigenen Schwester beschreibt.

Auch die drei Symphonien – 1. Symphonie für Streicher („Stimmen“, 1991), die 2. Symphonie (1998/99) für großes Orchester und 3. Symphonie (2005) für großes Orchester – versteht Vasks als Spiegel der jüngsten politischen Ereignisse in den baltischen Staaten und deren Auswirkungen auf Umwelt und Mensch. Schroffen, zerfahrenen Cluster- und Aleatorikklängen, die Bedrohung und Zerstörung symbolisieren, werden zarte Vogelrufimitationen der Bläser, volksliedhaft einfache Melodien – oft eingebettet in eine Moll-lastige Harmonik – sowie mystisch flirrende Streicherflächen entgegen gestellt.
Solokonzerte für Streicher und Kompositionen für Streichorchester und -Ensemble haben sich in den vergangenen Jahren zu seinen bevorzugten Gattungen entwickelt. Dabei arbeitet Vasks immer wieder mit renommierten Solisten zusammen. Auch in dem 1997 durch Gidon Kremer aufgeführten Violinkonzert Fernes Licht fehlt nie der Hinweis auf die Möglichkeit einer guten, „idealen Welt“ – ein Hauch musikalisch akzentuierter Hoffnung, der mitunter verheißungsvoll raumgreifende Dimensionen annimmt. 2006 wirdmete er Kremer auch das zweite Violinkonzert Einsamer Engel (“Meditation”), in der Vasks seine Vision eines Engels verarbeitet, der voller Sorge, aber gleichzeitig auch hoffnungsvoll auf die Welt herabschaut. Ein scheinbar unendlicher Melodiebogen der Solovioline wird von flirrenden Klangflächen des Streichorchesters getragen. Wie auch das Cellokonzert Klātbūtne (“Presence”). das Vasks 2012 für Sol Gabetta komponiert hat, erlebt es weltweit zahlreiche Aufführungen.

Wie seine Instrumentalmusik trägt auch sein Vokalschaffen erzählerische Züge. Es vermittelt Botschaften und mahnt zum Widerstand gegen die Unmenschlichkeit dieser Welt. Zemgale (1989) für gemischten Chor, ein dramatisches Gedicht, bezieht sich auf das gleichnamige Gebiet in Lettland, das ein Symbol für die Verschleppung lettischer Bürger wurde. Auch in Litene (1993) für gemischten Chor setzt sich Vasks mit der Zeit der sowjetischen Fremdherrschaft auseinander. Die Chorballade erinnert an die Ermordung lettischer Offiziere nach dem Einmarsch der Roten Armee im Jahre 1941: Extreme Hoch- und Tieflagen in den Stimmen vertonen Unruhe, Schrecken und Schreie. Heute zählen vor allem Pater noster (2000), Missa (2000) und Prayer “Lord, open our eyes” (2012) zu seinen erfolgreichsten Stücken für gemischten Chor und Streichorchester.

1996 wurde Vasks zum Main Composer des Stockholmer Festivals für neue Musik ernannt. Im selben Jahr erhielt er den Herder-Preis der Alfred Toepfer Stiftung sowie den Baltischen Assemblee Preis. Bereits dreimal wurde Vasks mit dem Großen Musikpreis Lettlands ausgezeichnet: 1993 für Litene, 1998 für Fernes Licht und 2000 für die 2. Symphonie. Seit 1994 ist Vasks Ehrenmitglied der Lettischen Akademie der Wissenschaften, seit 2001 Mitglied der Königlich Schwedischen Musikakademie in Stockholm. 2002 wurde Vasks zum Ehrensenator der lettischen Kulturakademie Riga ernannt. 2005 erhielt die Einspielung des Violinkonzerts Fernes Licht und der 2. Symphonie den Cannes Classical Award. Als Composer in Residence war er bei den britischen Festivals Presteigne (2006) und Vale of Glamorgan (2006, 2016), dem Usedomer Musikfestival (2010), dem Zürcher Kammerorchester (2011/12) sowie dem Canberra Music Festival (2012). Beim Label Wergo ist 2010 eine Gesamteinspielung des bereits 1980 begonnenen und 2009 vollendeten Klavierzyklus “Die Jahreszeiten” erschienen.

Sebastian Manz

Die Medien begeistert Manz als ein Musiker, „der Melodien und Töne mit einer Beweglichkeit in Farbe und Nuancen vor sich her schiebt als wären es Bälle, die es galant zu jonglieren gilt…” (SZ). Seine „überwältigende Musizierlust [verbindet] sich mit technischer Perfektion“ (WAZ). Und die RHEINISCHE POST schreibt zu seiner CD In Rhythm:„…es swingt und fetzt, labt und weint, dass man nicht genug davon bekommen kann…“.

Als Enkel des legendären russischen Geigers Boris Goldstein findet der 1986 in Hannover geborene Sohn zweier Pianisten seine musikalischen Wurzeln im deutsch-russischen Elternhaus. Mit sechs Jahren singt er im Knabenchor, versucht sich erst am Klavier, das er sehr gut beherrscht, konzentriert sich aber bald auf die Klarinette, die ihn seit Anhören von Benny Goodmans Aufnahme des Es-Dur-Konzerts von Carl Maria von Weber fasziniert. Keine Geringeren als Sabine Meyer und Rainer Wehle zählen zu seinen wichtigsten Lehrern und Förderern.

Den großen Durchbruch bescherte ihm der sensationelle Erfolg beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD in München im September 2008: Dort gewann er neben dem seit 40 Jahren nicht mehr vergebenen 1. Preis in der Kategorie Klarinette auch den begehrten Publikumspreis sowie weitere Sonderpreise. Einige Monate zuvor hatte er, mit seinem Klavierpartner Martin Klett als „Duo Riul“, auch den Deutschen Musikwettbewerb gewonnen. Mit zwei ECHO Klassik-Auszeichnungen gehört Sebastian Manz zu den gefragtesten Solisten und Kammermusikern seiner Generation. Seit 2010 ist er Soloklarinettist des SWR Symphonieorchesters.

Die Saison 2015/2016 führte Sebastian Manz in viele Länder und Städte, so beispielsweise für eine Tournee nach Japan und zum Cantabile-Festival nach Lissabon. Als Artist in Residence war er bei der Philharmonie Baden-Baden mit drei erfolgreichen Konzerten zu Gast. Bei den Hamburger Symphonikern debütierte Sebastian Manz mit Coplands Klarinettenkonzert unter John Axelrod. Mit seinem Klavierpartner Martin Klett als Duo Riul folgte er einer Wiedereinladung der Stiftung Mozarteum in Salzburg und trat erneut bei den Wolfsburger Movimentos Festwochen auf.

In der Saison 2016/2017 wird Sebastian Manz beim Beethoven Orchester Bonn, dem Symphonieorchester Vorarlberg, den Hofer Symphonikern und der Württembergischen Philharmonie zu Gast sein, sowie Konzerte in verschiedenen kammermusikalischen Besetzungen geben. Gemeinsam mit Herbert Schuch, Danjulo Ishizaka und Mirjam Contzen wird Messiaens „Quartett vom Ende der Zeit“, mit Ramón Ortega Quero, Marc Trénel und David Alonso „Bläser-Klavier-Quintette“, sowie mit dem Danish String Quartet das Brahms Klarinettenquintett aufgeführt.
Die Diskografie mit mittlerweile 9 CDs zeigt eindrucksvoll sein vielseitiges Talent auf dem Instrument und besticht mit interessanten Zusammenstellungen von Standardwerken und Raritäten. Seine Einspielung mit dem Danish String Quartet stellt die Klarinettenquintette von Robert Fuchs und Johannes Brahms einander gegenüber.
Im Februar 2017 erschien beim renommierten Label EDEL / BERLIN CLASSICS sein bisher umfangreichstes CD Projekt . Die gesamten Werke für Klarinette von Weber, eingespielt gemeinsam mit dem Radio Sinfonieorchester des SWR unter Antonio Mendez, dem casalQuartett und Sebastian Manz langjährigem Klavierpartner Martin Klett. Die Aufnahme wurde sowohl vom Publikum als auch von der Presse begeistert aufgenommen.
Ab Sommer 2018 wird Sebastian Manz für zunächst 3 Jahre Mitglied im „CMS Two“ Programm der berühmten Chamber Music Society of Lincoln Center.

Sebastian Manz engagiert sich neben seiner Konzerttätigkeit in der von Lars Vogt gegründeten Organisation „Rhapsody in School”.

CD Vasks - Canto perpetuo
Video Vasks - Canto perpetuo

Freitag, 8. Juni 2018, 20 Uhr
Donaueschingen

Boulangerie mit David Philip Hefti

Franz Schubert, Adagio Es-Dur „Notturno“
David Philip Hefti, Lichter Hall (2012)
David Philip Hefti, Poème noctambule (2016)
Arnold Schönberg, Verklärte Nacht op.4 (Bearb. Eduard Steuermann)
Boulanger Trio
Gast: David Philip Hefti

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David Philip Hefti

David Philip Hefti

Trotz der klassisch avantgardistischen Klangsprache geht es Hefti um Expressivität, um einen den Hörer unmittelbar ansprechenden Ausdruck. Er liebt kräftige Kontraste und verschmäht bei Gelegenheit auch die intensive Kantilene nicht. Seine Musik ist der steigernden Verdichtung fähig und kann furiosen Drive entwickeln.
(Süddeutsche Zeitung)

David Philip Hefti wurde 1975 in der Schweiz geboren. An den Musikhochschulen in Zürich und Karlsruhe studierte er Komposition, Dirigieren, Klarinette und Kammermusik u. a. bei Cristóbal Halffter, Rudolf Kelterborn, Wolfgang Meyer, Wolfgang Rihm und Elmar Schmid. Er arbeitet als Komponist und Dirigent und lebt in Mannheim und Zürich.

Seine rund 60 Werke umfassen Orchester-, Vokal- und Kammermusik. Darunter finden sich gross besetzte Orchesterwerke, Solokonzerte, Werke für Kammerorchester, Streichquartette, Solostücke, Liederzyklen und eine Oper. An der Vollendung seiner Symphonie Beziehungsweisen, von der bereits drei Sätze uraufgeführt wurden, arbeitet er aktuell. Eine langjährige Zusammenarbeit verbindet ihn mit Künstlern wie Viviane Hagner, Christian Poltéra, Hartmut Rohde, Baiba Skride, Jan Vogler und Antje Weithaas, die seine Stücke regelmässig aufführen.

Er arbeitete mit zahlreichen Orchestern und Ensembles zusammen, darunter das Tonhalle-Orchester Zürich, das Bayerische Staatsorchester, das Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin, das Orchestre symphonique de Montréal, die Tokyo Sinfonietta, das Ensemble Modern, das Amaryllis Quartett und das Leipziger Streichquartett. Seine Orchesterwerke wurden u. a. von den Dirigenten Peter Eötvös, Cornelius Meister, Kent Nagano, Jonathan Nott, Michael Sanderling, Mario Venzago und David Zinman aufgeführt. Einladungen brachten ihn zu Musikfestivals wie Wien Modern, Beijing Modern, Ultraschall Berlin, Lucerne Festival, Gstaad Menuhin Festival, Schleswig-Holstein Musikfestival, Heidelberger Frühling, Festival Pablo Casals in Prades, Dvorak-Festival in Prag und Suntory-Festival in Tokio.

2013 erhielt er den Komponisten-Preis der Ernst von Siemens Musikstiftung und 2015 den Hindemith-Preis des Schleswig-Holstein Musik Festivals. Ausserdem gewann er die Kompositions-Wettbewerbe Pablo Casals in Prades, George Enescu in Bukarest und den Gustav-Mahler Wettbewerb. Seine Kompositionen werden bei Edition Kunzelmann und Edition C. F. Peters verlegt und erscheinen als CD-Aufnahmen bei verschiedenen Labels. Als Reaktion auf seine CD Changements wurde er von der Neuen Zürcher Zeitung für seine „ausgezeichnete Beherrschung des Orchesterapparates“ als Komponist und Dirigent gelobt.

Im Mai 2017 feierte seine erste Oper Annas Maske Uraufführung am Theater St. Gallen. Im Zentrum steht die wahre Geschichte der Schweizer Sängerin Anna Sutter, deren Leben sich auf tragische Weise mit dem Schicksal ihrer Paraderolle Carmen verband, als ihr ehemaliger Geliebter, der Dirigent Aloys Obrist, sie 1910 in Stuttgart ermordete. David Philip Heftis Tonsprache, die sich durch Transparenz, kammermusikalische Intensität und dichte Dramaturgie auszeichnet, manifestiert sich auch in seiner ersten Opernarbeit. Die Neue Zürcher Zeitung über Annas Maske: Leuchtende Ekstase – und das ist die Pointe dabei – bedeutet dennoch keinen Verrat an Heftis ästhetischer Haltung, die sonst fragile, aus pointillistischen Klangtropfen gerinnende Akkordgebilde bevorzugt.

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„Poème noctambule“ für Violine und Klavier entstand 2016 im Auftrag des Schleswig-Holstein Musik Festival und ist den Geschwistern Baiba und Lauma Skride gewidmet. Die Uraufführung durch die beiden Widmungsträgerinnen fand im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festival am 12. Juli 2016 im Schloss Reinbek bei Hamburg statt.

Zwei gegensätzliche Verläufe prägen das Duo „Poème noctambule“. Das Stück beginnt äusserst leise wie aus der Ferne, wird klanglich immer konkreter und blüht schliesslich auf, bis am Ende des Werkes sowohl der dynamische als auch der expressive Höhepunkt erreicht sind. Auf der Ebene des Tempos findet eine gegenläufige Entwicklung statt, in der sich das schnelle Anfangstempo kontinuierlich verlangsamt und gegen Ende der Komposition beinahe stehen bleibt. Die kompositorischen Mittel wurden in „Poème noctambule“ insofern reduziert, als auf die erweiterten Spieltechniken auf der Violine und im Innern des Flügels – die in meinen anderen Werken gerne zur Anwendung kommen – verzichtet wurde. Durch den Einsatz aller drei Klavier-Pedale, durch die Verwendung eines Metalldämpfers und eines „gewöhnlichen“ Geigen-Dämpfers und durch die Erweiterung der Harmonik mit Mikrointervallen wird dennoch eine vielschichtige Palette an Klangfarben erreicht.

D. P. H.

Mein zweites Klaviertrio „Lichter Hall“ entstand 2012 im Auftrag des medeA trios, das die Komposition am 16. Oktober 2012 in der Wigmore Hall in London zur Uraufführung brachte.

Nach meinem ausgedehnten und mehrsätzigen ersten Klaviertrio „Schattenspie(ge)l“ aus dem Jahr 2006, habe ich mein zweites Trio als kompaktes, einsätziges und helles Gegenstück dazu konzipiert. Verschiedene Impulse ziehen Ruhepunkte – gleichsam als Echo – nach sich und entwickeln sich stetig vom anfänglichen Stocken zur fliessenden Bewegung. Die anschliessende cantabile-Passage, die aus meinem Orchesterwerk „Moments lucides“ als Nachhall anklingt, löst sich in einen schattenhaften Schluss auf.

D. P. H.

Freitag, 29. Juni 2018, 20 Uhr
Wien, Musikverein

Boulangerie mit Olga Neuwirth

Olga Neuwirth, Marsyas für Klavier (2005)
Ernest Bloch, Three Nocturnes (1924)
Olga Neuwirth, Weariness heals wounds (2014) Bearb. für Violoncello solo
Edvard Grieg, Andante con moto c-Moll
Olga Neuwirth, Quasare/Pulsare II für Violine, Violoncello und Klavier (2016)
Boulanger Trio
Gast: Olga Neuwirth
veranstaltet von der Alban Berg Stiftung

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Olga Neuwirth

Olga Neuwirth wurde 1968 in Graz (Österreich) geboren.

Ab dem siebten Lebensjahr Trompetenunterricht. 1986 studierte sie in San Francisco am Conservatory of Music und am Art College, Malerei und Film. In Wien führte sie ihre Studien an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst sowie am Elektroakustischen Institut weiter. Wesentliche Anregungen erhielt sie durch die Begegnungen mit Adriana Hölszky, Tristan Murail und Luigi Nono.

1991 wurde Olga Neuwirth mit Ihren beiden Mini-Opern nach Texten von Elfriede Jelinek mit nur 22 Jahren das erste Mal international bekannt.

1998 wurde sie im Rahmen der Reihe „Next Generation“ bei den Salzburger Festspielen in zwei Porträtkonzerten vorgestellt und im darauffolgenden Jahr kam ihr erstes abendfüllendes Musiktheaters Bählamms Fest mit einem Libretto der Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek nach Leonora Carrington in einem Bühnenbild der Brothers Quay bei den Wiener Festwochen zur Uraufführung.

Ihr für Pierre Boulez und das London Symphony Orchestra geschriebenes Werk Clinamen/Nodus war nach der Londoner Uraufführung 2000 in einer weltweiten Tournee zu hören.

2002 war sie composer-in-residence bei den Luzerner Festwochen, wo sie auch das Remixen Ihrer Musik durch DJ Spooky aufs Programm setzte.

Neuwirth läßt sich oft von anglo-amerikanischen Kultur inspirieren, so z.B. in ihrem 2003 uraufgeführten Muskiktheater „Lost Highway“ nach David Lynchs gleichnamigen Film. Der Neuproduktion der English National Opera im Young Vic wurde 2009 der “South Bank Show Award” verliehen.

Seit Ihrer Teenager-Zeit interessiert sich Neuwirth für Wissenschaft, Architektur, Literatur, Film und Bildende Kunst und daher ließ sie in vielen ihrer Stücke seit den frühen 1990er Jahren Ensemble, Elektronik und Videoeinspielungen zu einem genreübergreifenden visuellen und akustischen Sinnerlebnis verschmilzen. Dafür gilt sie in der sogenannten „Neuen Musik“-Szene als Pionierin.

Aus diesem vielfältige Interesse heraus entstanden auch verschiedene Klanginstallationen, Austellungen, Theater- und Filmmusiken, die mit der Einladung zur “dokumenta 12” in Kassel ihren Höhepunkt fand. Sie hat auch immer wieder mit der Experimental Jazz/Improvisation-Szene kollaboriert, so u.a. mit Robyn Schulkowsky, David Moss und Burkhard Stangl.

2006 und 2009 entstanden zwei Solokonzerte: ein Trompetenkonzert für Håkan Hardenberger und eine Viola-Konzert für Antoine Tamestit.

Olga Neuwirth erhielt verschiedene nationale und internationale Preise. 2010 den Grossen Österreichischen Staatspreis.

Olga Neuwirth lebte in San Francisco, New York, Prag, Paris, Venedig, Triest, Wien und Berlin.

Sie ist seit 2006 Mitglied der Akademie der Künste Berlin und seit 2013 Mitglied der Akademie der Künste München. Einige Ihrer Werke sind auf den labels Kairos und col legno erhältlich.

2012 gab es die Premieren gleich zweier neuer Musiktheaterwerke: The Outcast nach Leben und Werk von Herman Melville und American Lulu, eine Neuinterpretation von Alban Berg’s Lulu. Diese war 2013 in einer Neuproduktion in Bregenz, Edinburgh und London zu hören.

Masaot/Clocks without Hands, geschrieben für die Wiener Philharmoniker, wurde im Mai 2015 in Köln unter der Leitung von Daniel Harding uraufgeführt. Weiters war es zu hören in Wien, Luxembourg und im Februar 2016 in der Carnegie Hall unter der Leitung von Valerij Gergiev.

Le Encantadas o le avventure nel mare delle meraviglie für 6 im Raum verteilte Ensembles und (live)Elektronik, co-comissioned von Ensemble Intercontemporain, Cité de la musique, Festival d’Automne à Paris, Donaueschinger Musiktage, IRCAM, Lucerne Festival und Wiener Konzerthaus, wurde im Herbst 2014 uraufgeführt und ist 2016 beim Holland Festival sowie beim Lucerne Festival zu hören.

Neuwirth ist composer-in-residence beim Lucerne Festival 2016.

Das für Martin Grubinger geschriebene Schlagzeugkonzert (Roche-Comission) wird im Summer 2016 beim Lucerne Festival unter der Leitung von Susanna Mälkki uraufgeführt.

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Olga Neuwirths Vorliebe für die Veränderung von Klängen macht auch vor dem eher schwierig manipulierbaren Klavier nicht Halt. Als gleichberechtigten Duopartner stellt sie es in Quasare/Pulsare für Violine und Klavier (1996) dem leichter beeinflussbaren und in seiner Stimmung bereits modifizierten Streichinstrument gegenüber. Indem sie ausgewählte Saiten mit Materialien wie Silikonbällchen und Schaumstoff präpariert, schafft die Komponistin gezielt Verstimmungen, mit denen sie in den Klavierklang eingreift; durch verschiedene Aktionen des Pianisten werden zudem das Instrumenteninnere und andere Bauteile in die Musik einbezogen. Ausgehend vom Klang einer Klaviersaite, die durch einen e-Bow angeregt wird – einer Art Tonabnehmer, der durch elektromagnetische Einwirkung ein Feedback auf einer Metallsaite erzeugen kann, dessen Klangqualität an einen Sinuston erinnert -, ergibt sich der formale Aufbau des Stückes aus der Abfolge wellenförmig ausgestalteter Klangraumbewegungen von unterschiedlicher Dichte und Intensität, die am Ende wieder in die artifizielle Klangqualität des Anfangstones zusammengefaltet werden.

Wir danken unseren Förderern:

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Karten: 18€, ermäßigt 11€ (inklusive Buffet)
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Kartenverkauf online: www.radialsystem.de oder www.reservix.de

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Feldstraße 66
20359 Hamburg
Karten 18€, ermäßigt 11€ (inklusive Buffet)
Kartenverkauf online: www.boulangerie.tickets.de

Hamburger Abendblatt, 11/2016

Boulanger Trio: Bei Wein und Käse Musik entdecken

Ein Artikel von Verena Fischer-Zernin

Hamburg. Liefe die Veranstaltung im Fernsehen, dann hieße sie womöglich “Das kompositorische Quartett”: Drei Musikerinnen sitzen mit einem Gast in einer Runde und unterhalten sich mit ihm eloquent und charmant über ihn und sein Werk. Zwischendurch spielen sie.

Dies ist aber keine neue Talkshow. Dies ist die “Boulangerie”, wie die drei Damen vom Boulanger Trio ihren Salon nennen. Die Werkauswahl trifft der eingeladene Komponist, es erklingen jeweils Werke aus seiner Feder und solche aus dem angestammten Repertoire für Klaviertrio. Am Schluss bitten die Künstlerinnen die Anwesenden zu Wein und Käse.

“Unser Konzept ist, dass die Leute mit uns den Komponisten kennenlernen, den Menschen, der hinter der Musik steht. Der interessiert uns ja genauso”, sagt die Geigerin des Trios, Birgit Erz, über die “Boulangerie”. “Wenn man den Menschen kennt, ist die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, viel größer.”

Erz und ihre Mitstreiterinnen Karla Haltenwanger (Klavier) und Ilona Kindt (Cello), jede für sich eine ausgezeichnete Interpretin, haben einzeln und gemeinsam zahlreiche Preise nach Hause getragen – wo übrigens auf jede von ihnen zwei Kinder warten; gute Organisation und ein belastbares Netzwerk brauche es schon, sagt Erz. Zu hören ist es bei ihren Konzerten nie, wie anstrengend der Spagat zwischen Kunst und Familie sein kann. Wolfgang Rihm (das ist der, der zur Eröffnung der Elbphilharmonie das Auftragswerk “Reminiszenz” beisteuert) bedankte sich nach einem Konzert: “So interpretiert zu werden ist wohl für jeden Komponisten ein Wunschtraum.” Und ein begeisterter Kritiker hat die drei gar schon als Erbinnen des weltberühmten Beaux Arts Trios ausgerufen.

Anders als beim Beaux Arts Trio gehört für sie allerdings die Beschäftigung mit Neuer Musik zum Kern ihres künstlerischen Profils. Mit dem Ensemblenamen ehren die Musikerinnen die französischen Schwestern Nadia und Lili Boulanger. Beide waren Komponistinnen. Lili starb schon 1918 mit 24 Jahren und hinterließ ein schmales, aber wegweisendes Œuvre. Nadia wiederum hat die zeitgenössische Musik bis zu ihrem Tod 1979 über Jahrzehnte mitgeprägt, zu ihren Schülern gehörten Astor Piazzolla, Philip Glass und auch Daniel Barenboim. Jeden Mittwoch gab sie Theoriestunden in ihrer Pariser Wohnung. Da kamen nicht nur ihre Studenten, sondern auch andere Künstler, und hinterher gab es Tee und Gebäck. Die Studenten nannten diese Institution so liebevoll wie beziehungsreich “Boulangerie” (das französische Wort für “Bäckerei”).

Den Rang des Boulanger Trios zeigt auch die Riege bedeutender Komponisten, die die Einladung zur “Boulangerie” angenommen haben. Toshio Hosokawa war da, ein führender Vertreter der zeitgenössischen japanischen Musik, dessen Oper “Stilles Meer” Anfang des Jahres an der Staatsoper uraufgeführt wurde. Der Doyen der Neuen Musik in Österreich, Friedrich Cerha, hat mit ihnen vor Publikum geplaudert, und im Juni kommt die gefeierte Finnin Kaija Saariaho.

Seit 2012 leisten die drei sich die “Boulangerie” in Hamburg und im Berliner Radialsystem. Inzwischen haben sie die Reihe, dank der Hilfe der Alban Berg Stiftung, sogar in den Wiener Musikverein exportieren können. Und seit die drei von der etwas abseits gelegenen Kulturfabrik Kampnagel in den Resonanzraum umgezogen sind, entwickeln sich die Besucherzahlen prächtig.

“Der Raum ist perfekt für uns, auch mit der Bar”, sagt Birgit Erz. “Der klingt toll, ist sehr flexibel und hat eine tolle Atmosphäre.” Über einen Umzug in die Elbphilharmonie nachzudenken sieht sie zurzeit keinen Grund. “Wir wollen ja mit dem Publikum gemeinsam etwas entdecken. Für uns funktioniert das besser in einer intimen Atmosphäre”, sagt Erz. “Da kommen Leute, die noch nie mit Neuer Musik in Berührung waren, und die finden das alle spannend.” Man findet aber auch nicht jeden Tag ein Ensemble dieses Niveaus, das dem Publikum Neue Musik so unangestrengt wie kenntnisreich nahebringt und es teilhaben lässt an dem knisternd intensiven Kontakt, der beim Musizieren entsteht.

Kammer-Musik eben. Selten wird das Wesen des Genres so fassbar.